Die Produktionspause gilt zunächst bis Anfang April. Auslöser sind die ersten drei Corona-Fälle in der Belegschaft. Ihre Werke schließen auch die anderen Montagewerke Tschechiens und ein Großteil der Lieferanten. Damit pausiert ein Rückgrat der tschechischen Wirtschaft.

Die tschechische Volkswagen-Tochter Škoda Auto hat die Produktion in ihren drei tschechischen Montagewerken nach Ende der Spätschicht Mittwochabend 22 Uhr heruntergefahren. Auslöser sind die ersten drei Coronavirusfälle unter der Belegschaft. „Mit unseren 37.000 Beschäftigten alleine in Tschechien reicht unsere Verantwortung weit über die Werkstore hinaus. Es gilt alles daranzusetzen, die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, um diejenigen zu schützen und denen zu helfen, die in besonderer Weise davon betroffen sein werden“, begründete Vorstandsvorsitzender Bernhard Maier den Schritt.

Škoda setzt die Produktion zunächst bis zum 5. April aus. Für die kommenden zwei Wochen erhalten die Mitarbeiter 70 bzw. 75 Prozent ihres Lohns. Der Schritt erfolgte in Abstimmung mit dem Betriebsrat.

Stau an der Grenze

Škoda folgt mit seinem Schritt dem deutschen Mutterkonzern, der bereits für gestern eine Produktionspause avisiert hatte. So war die Produktion durch die Anordnungen verschiedener Regierungen wie teilweise Grenzschließungen und Grenzkontrollen, Ausgangssperren und Ausnahmezustände schon jetzt stark beeinträchtigt. Materiallieferungen steckten ebenso an den Grenzstaus fest wie Mitarbeiter. Empfindlich traf nicht nur Škoda die Entscheidung der polnischen Regierung von dieser Woche, die Grenze zu Tschechien zu schließen. Darin eingeschlossen waren auch Arbeitspendler aus Polen nach Tschechien, die nun in den Betrieben in Nord- und Ostböhmen sowie in Mährisch Schlesien fehlen.

Durch die Schließung des Einzelhandels sind für die Autoindustrie zudem die Absatzmärkte hart getroffen. Eine tröstliche Nachricht für Škoda ist, dass die Werke in China ihre Produktion wieder aufnehmen. Auch die Werke in Russland laufen ohne Einschränkungen weiter. In Indien ist noch ein Werk mit Abstrichen in Betrieb.

Škoda Auto ist mit seinen drei Standorten in Jungbunzlau (Mladá Boleslav), Kwasin (Kvasiny) und Hohenelbe (Vrchlabí) das wichtigste Industrieunternehmen Tschechiens. Bekommt Škoda Probleme hat das Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. 2019 lieferte Škoda weltweit 1,24 Millionen Fahrzeuge aus.

Abhängig vom Auto

Škoda Auto ist zwar der mit Abstand größte Fahrzeugproduzent Tschechiens. Ihr Werk im mittelböhmischen Kolin (Kolín) hat aber auch der Konzern TPCA (Toyota Peugeot Citroen) geschlossen. Bei Hyundai in Noschowitz (Nošovice) im Mährisch-Schlesischen Bezirk steht die Schließung unmittelbar bevor. Damit einher geht der Produktionsstopp bei Lieferanten. Tschechien ist extrem abhängig von der Automobilindustrie. Der Industriezweig erwirtschaftet fast ein Viertel der tschechischen Industrieproduktion, beteiligt sich zu 21 Prozent am tschechischen Export und steht für 9 Prozent des tschechischen Bruttoinlandsprodukts. Insgesamt sind in der Automobilindustrie 133.000 Menschen beschäftigt.