Zu Besuch beim Funkfeuilleton

Foto: Funkhaus mit Deutschlandradio und RIAS-Schriftzügen - Bild: tra

Die vier blauen Buchstaben des RIAS-Logos, die früher im Berliner Bezirk Schöneberg den Sitz des „Rundfunks im amerikanischen Sektor“ weithin sichtbar machten, teilen sich seit den 1990er Jahren den Platz auf dem Dach des Funkhauses am Hans-Rosenthal-Platz mit dem ebenso blauen Schriftzug Deutschlandradio.

Zur Deutschlandradio-Senderfamilie, die das denkmalgeschützte Gebäude 1994 vom eingestellten RIAS geerbt hat, gehören der Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen. In Berlin werden vor allem die Programme des Deutschlandradios Kultur produziert, das sich selbst als „Feuilleton im Radio“sieht und mit diesem Motto wirbt. Im markanten Altbau mit der runden Ecke und im neuen Studiowürfel mit Übertragungswagen-Garage dahinter entsteht Programm mit Profil.

dradio aufnahmestudio - Foto: tra

Hörspiel-Eldorado

Den starken Kultur-Fokus merkt man auch der Ausstattung des Großen Funkhauses an.In hochmodernen Aufnahmestudios werden nicht nur Nachrichtensendungen für Erwachsene und Kinderhergestellt. Zum Deutschlandradio gehören auch eigene Studios, in denen etwa 40 Hörspiele pro Jahr produziert werden. Heutzutage werden die Effekte, die einen großen Anteil an der Atmosphäre von Hörspielen haben, größtenteils am digitalen Mischpult eingebaut. Beim Deutschlandradio gibt es aber noch echte Balkons, Schotterwege und Holzböden, die man dafür nutzen kann.Ein Raum mit Trennwand sorgt als sogenannte Akustikschnecke für simulierte Entfernung.

Bei einer Führung durch das Haus kommen auch Hörspielfans also auf ihre Kosten und können einen seltenen Einblick hinter die Kulissen bekommen. Allerdings nur, wenn das rote „Ruhe“-Schild vor dem Studioeingang nicht gerade leuchtet. Dann läuft nämlich gerade eine Aufnahme und jedes Geräusch stört. Die hier produzierten Hörspiele landen nach der Sendung im hauseigenen Hörspielarchiv, das zu den größten seiner Art gehört.

dradio uewagen - Foto: tra

Die Zukunft ist längst da

Man ruht sich in Schöneberg jedoch nicht auf den eigenen Lorbeeren aus. Die digitale Zukunft verändert auch das Radio. Bereits jetzt werden die großen Ballungsräume in Deutschland mit dem Digitalradio-Standard DAB+ versorgt. Noch geschieht dies gleichzeitig mit Ultrakurzwelle, ein kompletter Umstieg ist jedoch schon mittelfristig beschlossen und soll neben besserer Tonqualität auch Stromeinsparungen mit sich bringen.Im Fuhrpark drängt sich dementsprechend bereits heute neben den Übertragungswagen mit Analogtechnik auch das neueste Modell mit einem digitalen Aufnahmestudio, dessen Innenleben stark an ein Spaceshuttle erinnert. Das Spezialfahrzeug ist so groß, dass man die Räder einfahren muss, um es in die Garage zu bekommen.

Auch im Internet ist das Deutschlandradio mit seinen Programmen vertreten. Eine eigene Online-Redaktion kümmert sich um die Anpassung der Radio-Inhalte an die Nutzungsweise im Internet und wählt passende Beiträge aus. Die enge Zusammenarbeit mit den Kollegen im Funkhaus ist dabei für die Redakteure äußerst wichtig. Dennoch gibt es mittlerweile Inhalte, die gar nicht mehr im Radio zu hören, sondern nur noch im Netz zu finden sind. Das sind vor allem reine Internet-Themen, die im Radio schwer zu vermitteln wären. Im Gegenzug gibt es auch nicht alle Radiobeiträge auch im Internet. Einige Sendungsmanuskripte sind einfach zu umfangreich oder nicht einfach nicht geeignet für das Netz.

dradio ruhe - Foto: tra

Die Radiowelt wächst

Das ist für die Radiomacher aber kein Verlust, denn das Internetangebot mache die Radiowelt noch größer, sagen sie selbst. Ein weiterer Vorteil des Internet ist neben dem direkten Kontakt zum Publikum auch die Möglichkeit, einmal ausgestrahlte Sendungen noch einmal nachhören zu können. Auch wenn sich die Hörgewohnheiten des Publikums in den letzten Jahren geändert haben, bleibt das Deutschlandradio so weiterhin für seine Zielgruppe relevant.

Die Internet-Angebot von Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen sind zugänglich über das gemeinsame Portal des Deutschlandradios: hier.