Unterschriften gegen deutsch-tschechisches Tagebaugeschäft

Foto: Protest in kalter Wohnzimmeratmosphäre - Bild: LE/tra

Ein Totenkopf aus Rauch ziert die zweisprachig deutsch-tschechischen Protestpostkarten, die die Umweltorganisation Greenpeace zusammen mit den Grünen aus Sachsen und Brandenburg nach Prag gebracht hat. Insgesamt sind es etwa 40 000 Postkarten, die die Menschen aus der Lausitz unterschrieben und eingesandt haben. Gerichtet sind sie an die Vorstandsvorsitzenden der tschechischen Energiekonzerne ČEZ, Daniel Beneš, und EPH, Daniel Křetinský, die Interesse an der Übernahme der Braunkohletagebaue der Firma Vattenfall in der Lausitz bekundet haben.

 

 

 

Greenpeace versucht dieses Geschäft zu verhindern, da man befürchtet, neue Eigner könnten die bestehenden Gruben ausweiten wollen. Vattenfall hatte an einigen Standorten bereits mit den Vorbereitungen dafür begonnen, will sich nun aber offenbar aus dem Tagebau in der Lausitz zurückziehen. Grund dafür dürften auch die gesunkenen Preise für Braunkohle und die damit einhergehenden betriebswirtschaftlichen Risiken sein, zumal der Betreiber auch für die kostenintensive Renaturierung eines stillgelegten Tagebaus verantwortlich ist.

Mittlerweile hat sich auch noch eine weitere tschechische Firma zu den Interessenten gesellt, die Vršanská uhelná aus Brüx (Most). Ihr werden jedoch gegenüber ČEZ und EPH geringere Erfolgsaussichten für eine Übernahme zugesprochen. Ursprünglich hatte auch Greenpeace ein Angebot vorgelegt, wurde aber vom Bieterverfahren ausgeschlossen.

In der ersten Prager Winterkälte bauten Aktivisten aus Tschechien zusammen mit Lausitzern vor der ČEZ-Zentrale am Mittwoch nun eine Wohnzimmerkulisse auf, in der die Postkarten an Vertreter des Konzerns übergeben wurden. Zuvor hatten Bewohner der betroffenen Landstriche in Deutschland auf die Gefahren des Braunkohletagebaus nicht nur für die Umwelt, sondern auch für das soziale Umfeld in der Lausitz gewarnt. Bereits jetzt seien Schäden zu sehen, die auf unabsehbare Zeit die Region beeinflussen würden. Dabei wurde auch auf die Parallelen zu Nordböhmen hingewiesen, das derzeit auch eine Ausweitung des Abbaus debattiert.

Zu den Umweltgesichtspunkten kommt gerade in der Lausitz auch die Furcht vor der Zerstörung der sorbischen Gemeinden. Damit wären die sorbischen Einwohner, die als nationale Minderheit in der Bundesrepublik besonderen Schutz genießen, von Umsiedlung bedroht. Transparente, die sich in sorbischer Sprache gegen den Verlust der lausitzer Siedlungsgebiete verwahrten, waren dementsprechend auch Teil des Protests.

Die Verantwortlichen von ČEZ nahmen die Unterschriften an und versprachen, alle Informationen zu prüfen, die man ihnen zusammen mit den Postkarten mitgab. Eine ähnliche Übergabe hatte es auch schon bei EPH gegeben und sowohl die Grünen als auch Greenpeace versicherten, man werde auch jeden weiteren Interessenten mit der aktuellen Situation und ablehnenden Haltung der Bevölkerung in der Lausitz vertraut machen.