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Drohnen-Eiertanz

Drohne EuroHawk auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin 2012 - Foto: tra

Es gibt sie in allen möglichen Größen und Formen, mit einem Propeller, zwei oder gleich vier davon in der Quadcopter-Variante. Auch mit Düsenantrieb ausgestattete Modelle werden angeboten. Allen gemeinsam ist jedoch das fehlende Cockpit. Die Rede ist natürlich von ferngesteuerten Flugzeugen, sogenannten Drohnen.

 

 

 

In der öffentlichen Wahrnehmung sind sie zwar erst seit dem verstärkten Einsatz durch die US-Geheimdienste zur gezielten Tötung von Terrorverdächtigen vor allem in Pakistan und im Jemen ein Thema, Drohnen gibt es aber schon sehr viel länger. 1849 startete die österreichische Armee als erste einen unbemannten Luftangriff. Damals ging es gegen Venedig und man benutzte mit Sprengstoff beladene Ballons. Das funktionierte nur bedingt, da während des Angriffs der Wind drehte und einige der Ballons wieder über die eigenen Linien zurücktrieb. 1914 wurde dann der erste Autopilot durch den amerikanischen Erfinder Lawrence Sperry vorgestellt, der per Gyroskopsteuerung Flugzeugen auch ohne Piloteneingriff eine stabile Lage in der Luft ermöglichte. Während des ersten Weltkrieges arbeitete man fieberhaft an funkferngesteuerten Flugkörpern, die man vor allem zum ‚Torpedieren‘ von Zeppelinen einzusetzen gedachte. Das waren die Vorläufer der Flugbomben im Zweiten Weltkrieg und der heutigen Cruise Missiles. Die ersten wirklichen Drohnen entstanden dann aber erst in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Die Technik war damals natürlich noch nicht ausgereift und so nutzte man die Drohnen hauptsächlich als fliegende Ziele für die Pilotenausbildung. Übrigens arbeitete auch Marilyn Monroe vor ihrer Schauspiel-Karriere in einer Fabrik für solche ferngelenkte Flugziele.

Während der Luftschlacht um England im Zweiten Weltkrieg wurde den Militärs erst wirklich bewusst, wie schwer es ist, einen ausgebildeten und erfahrenen Piloten zu ersetzen. Es wäre doch viel ökonomischer, wenn der Pilot sicher am Boden bleiben könnte, während sein Flugzeug weit weg seine Aufgaben erfüllt, folgerte man. Bis sich dieser Traum erfüllen konnte, vergingen aber noch einige Jahre. Während des Kalten Krieges war man dann in der Lage, Aufklärungs-Missionen mit ferngelenkten Drohnen zu starten. Das gilt übrigens für beide Seiten. Auch die Sowjetunion hatte eigene Geheimprojekte zur unbemannten Luftaufklärung. Die Programme in Korea und später Vietnam waren so erfolgreich, dass man mit den Drohnen für eine aktivere Rolle zu planen begann. Die Entwicklung ging in zwei Richtungen: Einerseits verbesserte man die Aufklärungsdrohnen, die im Fachjargon Unmanned Aerial Vehicle (UAV) genannt werden, andererseits baute man bewaffnete Drohnen, die Unmanned Combat Air Vehicles (UCAV). Die Armeen beiderseits des Eisernen Vorhangs hatten schon bald eigene Einheiten, die mit diesen Systemen ausgestattet waren.

Nach der Wende 1989, als die direkte Bedrohung in Europa weggefallen war, wurden viele Armeen verkleinert. In Tschechien etwa schrumpfte die Armee von etwa 75 000 Mann 1989 auf 27 500 Soldaten und Zivilangestellte heute. Automatisierte Systeme wurden dadurch immer wichtiger und heute sind UAVs und UCAVs fester Bestandteil jeder Wunschliste von Militär, Sicherheitsorganen und Geheimdiensten, wenn eine neue Budgetrunde beim Finanzminister ansteht. Der umstrittene Einsatz von Drohnen zur geheimdienstlichen Überwachung der eigenen Bevölkerung und zur gezielten Tötung von Zielen im In- und Ausland macht solche Anfragen aber zu einem heißen Eisen.

Besonders die bewaffnete Variante ist gerade in Deutschland sehr umstritten. Karl Müllner, Inspekteur der Luftwaffe und damit der höchste Vorgesetzte der Teilstreitkraft, ist dennoch der Ansicht, dass eine Anschaffung bewaffneter UCAVs unumgänglich ist, damit die Luftwaffe auch weiterhin ihre Rolle im Rahmen der NATO wahrnehmen kann. Das sagte er bereits kurz nach seinem Amtsantritt 2012 und kommentierte den öffentlichen Diskurs dazu im Mai dieses Jahres, also bereits nach dem Debakel um die Eurohawk-Drohne, anlässlich der anstehenden Erneuerung des UAV-Bestandes der Luftwaffe noch einmal in einem Gastbeitrag für das bundeswehrnahe Magazin „Europäische Sicherheit & Technik“: „Die öffentliche Debatte um ferngesteuerte Flugzeuge ist stark von der Einsatzpraxis der US-Geheimdienste geprägt. […] Bei der Diskussion über ferngesteuerte Flugzeuge sollte jedoch jedem klar sein, dass für diesen möglichen Einsatz die vom Bundestag beschlossenen Einsatzregeln bei Tornado, Eurofighter und ferngesteuertem Luftfahrzeug sicherlich identisch wären. […] Und es wäre auch immer ein Mensch, der eine solche Entscheidung fällen und verantworten müsste.“

Damit geht Müllner auf einen weiteren Punkt der Debatte ein: Die Angst vor der automatisierten Tötungsmaschine. Vollständig autonome Waffensysteme, die ihre Ziele selbständig suchen und zerstören, sind keine Science Fiction mehr, sondern bereits in Erprobung. Es ist nicht schwer, sich ein Szenario vorzustellen, bei dem der Einsatz einer solchen Maschine aus dem Ruder läuft und furchtbare Konsequenzen hat. Den menschlichen Faktor als Fehlerquelle auszuschließen, mag ein hehres Ziel sein, mit europäischen Moralvorstellungen kann man ‚Killer-Roboter‘ aber nicht vereinbaren. Man muss, wie Müllner sagt, weiterhin auf demokratisch beschlossene Verhaltensregeln, das Verantwortungsgefühl und die Ausbildung von menschlichen Piloten setzen, wenn man bewaffnete Drohnen in seinem Arsenal einsetzen will.

Dabei ist es aber auch unumgänglich, dass man sich der Entfremdung des Soldaten von seiner Aufgabe stellt. Vor einiger Zeit durchgesickerte Aufnahmen aus dem Cockpit eines Apache-Kampfhelikopters im Irak haben der Welt schmerzlich vor Augen geführt, wie leicht es ist, aus großer Entfernung einen Knopf zu drücken und dann auf seinem Monitor Tod und Zerstörung zu verfolgen und in dem Fall der jungen Hubschrauberbesatzung, die unbewaffnete Reporter falsch zugeordnet und als Feinde erschossen hatte, sogar zu bejubeln, ohne sich direkt die Hände schmutzig zu machen. Das gilt vielleicht in noch größerem Maße für Piloten, die nicht einmal in der Nähe der Kampfhandlungen operieren, sondern von ihrem Leitstand abends einfach wieder nach Hause gehen, nachdem sie ferngesteuert auf der anderen Seite der Welt Bomben abgeworfen und Ziele zerstört haben.

Auch die tschechische Armee wird sich diesem Problem stellen müssen, sollte sie ihre Flotte an Aufklärungsdrohnen, die teilweise sogar einheimischer Produktion entstammen, um UCAVs erweitern wollen. In absehbarer Zeit werden aber wohl weiterhin Flugzeuge den europäischen Luftraum sichern, in denen der Pilot noch selbst im Cockpit sitzt. Bei den Problemen, die die US Airforce derzeit mit ihren neuen F-35 Flugzeugen hat und die europäischen und arabischen Nutzer schon seit der Inbetriebnahme 2006 mit dem Eurofighter Typhoon haben, dürfte der Ruf nach immer mehr bewaffneten Drohnen aber nicht so schnell verstummen.

 


 

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