Die zerstörte Neysseburg - Foto: Stadt Jablonec nad Nisou

Jetzt ist es also doch passiert. Am Samstag wurde der Turm der Neysseburg, des einstigen Sitzes der humoristischen Schlaraffia-Herrengesellschaft in Gablonz (Jablonec nad Nisou), abgerissen.

Dem Abriss ging ein jahrelanger Streit voran. Hauptakteure waren dabei der aktuelle Besitzer der Neysseburg, die Firma Malina Safety, deren Betriebsgelände an die Burg angrenzt und ausgeweitet werden sollte, und Gablonzer Bürgerinitiativen, die gemeinsam mit der Stadtführung gegen den Verlust dieses besonderen Bauwerks waren.

Ursprünglich hatte Malina Safety beim Kauf des Grundstücks eine Restaurierung der Neysseburg in Aussicht gestellt. Über die Jahre verfiel das Bauwerk jedoch und schließlich war es so baufällig, dass ein mittlerweile gestellter Antrag auf Anerkennung als denkmalgeschütztes Gebäude zunächst abgelehnt wurde. Erst nachdem sich Gablonzer Bürger und Oberbürgermeister Milan Kroupa für die Burg stark machten, nahm sich der damalige Kulturminister Daniel Herman der Sache persönlich an und ließ die Denkmalwürdigkeit noch einmal überprüfen. Das schob den Abbruch-Plänen zunächst einen Riegel vor.

Neysseburg

Malina Safety bot an, die Burg für den symbolischen Preis von einer Krone zu verkaufen, sollte sich der Käufer bereit erklären, das Bauwerk abzutransportieren und anderswo wieder aufzubauen. Die Kosten dafür wären enorm gewesen und hätten die einzigartige Neysseburg auch ihren angestammten Platz direkt an der Neiße gekostet. Dennoch spekulierte die Stadt zeitweilig auf eine Nutzung als Hotel an anderer Stelle, die russische Investoren eingebracht hatten. Aus dem Plan wurde jedoch nichts.

Jetzt hat Malina Safety die Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt. In den frühen Morgenstunden des 11. Mai ließ man den Turm der Neysseburg einreißen. Damit sollte, so spekulierte der Gablonzer Oberbürgermeister Kroupa auf der Facebook-Seite der Stadt in einer ersten Reaktion, der Rest des Gebäudes so stark beschädigt werden, dass nur noch ein Abriss in Frage käme. Kroupa betonte zudem, dass für diese Aktion keine Abrissgenehmigung der Stadt erteilt worden war. Die Polizei wurde zum Ort des Geschehens gerufen und ermittelt.

Die Firma Malina Safety war am Samstag für keine Stellungnahme zu erreichen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der aktuell in Bearbeitung befindliche Antrag auf Denkmalschutz die Erweiterungspläne der Firma endgültig durchkreuzt hätte.


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