Robinsons Montag

Foto: Lutz Seiler beim Deutschen Buchpreis 2014 - Bild: Claus Setzer

Erstlingswerk und gleich den Deutschen Buchpreis abgeräumt, das ist eine Leistung, die man Lutz Seiler erstmal nachmachen muss. Ganz unbekannt war er vor dem Buchpreis freilich nicht, hatte er doch bereits einige hoch gelobte Gedichtsammlungen und zwei Erzählungen veröffentlicht. Die Auszeichnung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erhielt er nun im Oktober für seinen ersten Roman „Kruso“. Am 8. Dezember stellt Seiler nun sein Buch auch dem Prager Publikum vor.

 

 

 

Der von Lesern und Kritikern gleichermaßen langerwartete Roman folgt dem Germanistikstudenten Edgar Bendler, der vor seinen persönlichen Problemen auf die Insel Hiddensee flüchtet, die in der DDR manchmal weiter weg schien als der Balaton. Hier trifft er auf Alexander „Kruso“ Krusowitsch, der ihn in all die Geheimnisse des Eilands einweiht. Dazu gehört neben den Ritualen der Saisonarbeiter auch Krusos Vision, allen ‚Schiffbrüchigen‘ zu helfen, die das Leben hier angespült hat. Schiffbrüchig waren vor ´89 auf Hiddensee diejenigen, die eine Flucht aus der DDR über die Ostsee wagen wollten. Auch ihrem Schicksal geht Seiler in seinem Roman nach und spannt einen Bogen von der Wendezeit bis heute.

Die Feuilletons überschlugen sich mit Lob für „Kruso“, Kritiker gerieten in Freudentaumel. Die Leser sind gespaltener Meinung. Das Thema scheint mittlerweile ausgereizt und kann nur noch mit außergewöhnlichen Orten wie Hiddensee überhaupt Interesse wecken. Dazu kommt Seilers Erzählstil, der an vielen Stellen überladen wirken kann und den Lyriker durchblicken lässt. Andererseits liegt in dieser Erzählform ein gewisser Reiz, dem man durchaus eine Chance geben sollte.

Lutz Seiler wird seinen Roman „Kruso“ am 8.12. um 19 Uhr im Prager Goethe-Institut vorstellen. Dabei wird er unterstützt vom Literaturkritiker Helmut Böttiger.