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Landkarte für die Toten

„Wir sollten imstande sein, alle Geschichten zu erzählen, alle Opfer zu erwähnen.“ – Foto: ÖKF

„Die Gräber sollen unsichtbar werden, in der Landschaft verschwinden, um die namenlosen Opfer für immer aus der Welt zu schaffen: ohne Leiche kein Verbrechen und ohne Verbrechen keine Anklage.“ Gegen diese Denkweise spricht sich Martin Pollack in seinem Buch „Kontaminierte Landschaften“ aus. Das Österreichische Kulturforum (ÖKF) lädt den Historiker und Autor am 24. September nach Prag ein.

 

 

 

 

„Kaum jemand wird in einer Landschaft geboren, in der nie etwas passiert ist“, dem ist sich Martin Pollack sicher. In „Kontaminierte Landschaften“ zeichnet er eine Landkarte, in der Erinnerung und Verortung an die Stelle treten von vergrifteten Geheimnissen und Gräbern heimlich verscharrter Toter in Mitteleuropa. Massengräber von Juden, Roma, Antikommunisten und Partisanen – an die offiziellen Opfer des 20. Jahrhunderts erinnern Mahnmale und Kriegerdenkmäler. Doch wo gedenken wir der Tausenden namenlos gewordenen, heimlich verscharrten Toten? Wie leben wir in Landschaften, die kontaminiert sind mit den unzähligen vertuschten Massakern Mitteleuropas – im burgenländischen Rechnitz genauso wie im slowenischen Kocevski Rog oder in Kurapaty bei Minsk?

Im Interview mit dem Österreichischen Magazin „Der Standard“ spricht der 1944 in Bad Hall geborene Journalist über die Entstehung seines Buches, autobiografische Motivation und den familiengeschichtlicher Hintergrund, sein Vater war SS-Sturmbannführer Gerhard Bast.

Idyllische Landschaften bergen dunkle Geheimnisse und sind somit kontaminiert. „Dieser Begriff ist unwissenschaftlich“, so Pollack. Eine kontaminierte Landschaft ist für ihn eine Landschaft, die nach außen hin nichts Auffälliges aufweist, die aber etwas verbirgt. Dieses Denken kann auch zur Belastung werden. „Wo ich gehe und stehe, überlege ich oft: Hoffentlich verbirgt diese Landschaft nichts Schlimmes“, Pollack weiter.

Bei Recherchearbeiten zu seinem vorherigen Buch „Der Tote im Bunker“ stieß Martin Pollack im Gottscheer Hornwald, im heutigen Kocevski Rog, nicht weit von Ljubljana, auf Massengräber. Dort haben jugoslawische Kommunisten 1945 politische Gegner, auch Deutsche, ermordet und ihre Leichen in Karsthöhlen geworfen. „Wo mein Großvater, ein unbelehrbarer Nazi, früher gejagt hat, befinden sich heute Massengräber“, beschreibt Pollack die für ihn unglaublich bedrückende Atmosphäre.

Das Zeichnen einer anderen, wahrhaftigen Landkarte – schonungslos, aber sorgsam. Darum geht es Martin Pollack. Am 24. September ist er um 19 Uhr zu Gast im Österreichischen Kulturforum in Prag.

Der Eintritt ist frei. Die Veranstaltung findet nur in deutscher Sprache statt.

Weitere Informationen zu Martin Pollack erfahren Sie auf der offiziellen Seite des ÖKF hier.

 

 


 

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