Der 21. August 1968, der zu den wohl dramatischsten Tagen der jüngsten tschechoslowakischen Geschichte gehört, jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. Grund genug, um der damaligen Ereignisse allerorts auf unterschiedlichste Weise zu gedenken. Das LandesEcho stellt Ihnen einige wichtige Aktionen näher vor.

Der Prager Frühling hatte einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ zum Ziel. Stattdessen rollten im Sommer 1968 Panzer der Truppen des Warschauer Paktes durch Prag. Die politischen und gesellschaftlichen Reformen sowie der Ruf nach Demokratie wurden schnell und mit Gewalt niedergeschlagen, 137 Tschechen und Slowaken kamen ums Leben. Der Eiserne Vorhang blieb für die kommenden 20 Jahre verschlossen.

Die Besetzung der Tschechoslowakei im August 1968 stellt das Stadtmuseum Brünn (Muzeum města Brna) mit der Fotoausstellung „Das Jahr 1968 in Brünn mit den Augen des Zensors“ (Rok 1968 v Brně očima cenzora) gleich aus zwei Perspektiven dar: Neben den Ereignissen im Prager Frühling in Brünn wird der Blick auch auf die Reaktionen des konservativen Kerns der tschechoslowakischen Kommunisten gerichtet. Parallel dazu wird dokumentiert, wie das folgende Jahr 1969 die mährische Metropole gezeichnet hat und was der anschließende Prozess der sogenannten Normalisierung (normalizace) mit sich brachte.

Die Ausstellung auf der Burg Špilberk läuft noch bis zum 28. Oktober 2018.

Mehr dazu auf www.spilberk.cz

 

Květa Válová, Ausgebrannter Garten, 1969, Südböhmische Alšova-Galerie / Westböhmische Galerie in Pilsen
Květa Válová, Ausgebrannter Garten, 1969, Südböhmische Alšova-Galerie / Westböhmische Galerie in Pilsen

 

Unter dem Titel „Anatomie des Sprungs ins Leere. Das Jahr 1968 und die Kunst in der Tschechoslowakei“ (Anatomie skoku do prázdna. Rok 1968 a umění v Československu) bereitete die Westböhmische Galerie in Pilsen (Západočeská galerie v Plzni) ein Ausstellungsprojekt vor, in dessen Mittelpunkt die Jahre 1966 bis 1973 stehen. Darin sind Emanzipationstendenzen innerhalb der tschechoslowakischen Kunstszene und ihr Streben nach einer aktiven Teilnahme am Weltgeschehen zu verfolgen. Mehr als 140 Arbeiten tschechoslowakischer Künstler sind dort versammelt, die als unmittelbare Reaktion auf die damalige politische Lage entstanden sind. Die Ausstellung präsentiert bildende Künstler wie Jiří Kolář, Zbyšek Sion, Julius Koller oder Vladimír Jarcovjak. Während der zweiten Jahreshälfte 1968 sowie 1969 entstanden weitere Kunstarbeiten, die die Absurdität der Besatzung, Schock und Enttäuschung ausdrückten. Dazu werden Arbeiten von Jitka Vála und Květa Válová, Karel Nepraš oder Mikuláš Medek präsentiert.

Unter den Kunstobjekten, die den Freitod des tschechischen Studenten Jan Palach thematisieren, sticht vor allem die lebensgroße Statue des Goldenen Jan aus der Werkstatt des bedeutenden tschechischen Bildhauers Olbram Zoubek hervor. Dem gleichen Thema widmet sich in seiner Collage „Palach zu Ehren“ auch Jiří Kolář. Den Abschluss der Ausstellung bildet ein Teil zum Weg in die sogenannte Normalisierung, der von Desillusion, Frustration und In-Sich-Gehen geprägt war.

Die Pilsner Ausstellung läuft noch bis zum 16. September 2018.

Ab April 2019 wird die Schau auch im Prager Museum Kampa zu sehen sein.

Mehr auf www.zpc-galerie.cz/de

Zbyšek Sion: Die Hetzjagd, 1969, Regionalgalerie Vysočina und Jihlava / Westböhmische Galerie in Pilsen
Zbyšek Sion: Die Hetzjagd, 1969, Regionalgalerie Vysočina und Jihlava / Westböhmische Galerie in Pilsen

 

Zu den bereits ausgestellten Arbeiten Josef Koudelkas, eines der namhaftesten Fotografen des 20. Jahrhunderts (Jahrgang 1938), dessen Werk aktuell in Prag das Kunstgewerbemuseum (Uměleckoprůmyslové museum) und die Nationalgalerie Prag (Národní galerie Praha) präsentieren, kam aus Anlass des Prager Frühlings auch der berühmte Zyklus“Invasion 68“ (Invaze 68) hinzu.

In den Sälen der Prager Nationalgalerie sind Großformataufnahmen von Momenten ausgestellt, die der damals 30-jährige Fotograf innerhalb von sieben Tagen im August 1968 in den Prager Straßen mit seiner Kamera eingefangen hat. Später wurden die Aufnahmen heimlich über die tschechische Grenze in den Westen geschmuggelt. Die einzigartige Fotokollektion wurde bereits 1969 von der renommierten Agentur Magnum veröffentlicht, deren Mitglied Koudelka später wurde.

„Als mich das Telefon mitten in der Nacht am 21. August weckte, griff ich ohne zu zögern nach dem Fotoapparat und ging los. Die Ereignisse haben mich sofort mitgerissen, so dass ich mich nicht mehr kontrollieren konnte. Die Bilder schoss ich nicht eines späteren Publizierens wegen, sondern nur für mich. Im Unterschied zu den anwesenden Auslandsfotografen war das, was sich da tat, auch mein Problem und kein teilnahmsloses Zusehen! Gleichzeitig hat es mir Spaß gemacht. Denn wohin ich auch hinschaute, war etwas los. Und ich hatte die Chance, dabei zu sein!“, erklärte Josef Koudelka vor einiger Zeit die Entstehung des weltberühmten Zyklus in einem Gespräch.

Bis zum 23. September 2018 laufen in Prag noch:

Josef Koudelka. De-creatione & Invaze 68.

www.ngprague.cz

und

Josef Koudelka. Návraty.

www.upm.cz