Der gläserne Bürger und seine totale Überwachung waren vor der Wende das angestrebte Ziel vieler Regime in Mitteleuropa. Mittlerweile werden persönliche Daten aber ganz freiwillig an Konzerne weitergegeben, die sie mit viel Profit weiterverkaufen. Die Ausstellung „Global Control and Censorship” (Globale Kontrolle und Zensur) in der Galerie der Nationalen Technikbibliothek in Prag widmet sich vom 19. Juni bis 26. Juli der Sichtbarmachung dieser Praktiken und der Datenströme.

 

Entstanden ist Idee zur Wanderausstellung, die nun in Prag ihre fünfte Station hat, bereits 2013 nach den Enthüllungen von Edward Snowden, der die Reichweite der Erfassung persönlicher Daten durch den amerikanischen Geheimdienst NSA (National Security Agency) öffentlich gemacht hat und seitdem auf der Flucht ist. Dabei seien dies „Dinge, die wir wussten, aber nicht wissen wollen,“ sagte vor der Ausstellungseröffnung einer der beiden Kuratoren, Bernhard Serexhe. Zusammen mit Lívia Nolasco-Rószás zeigt Serexhe nun in Kooperation mit dem Goethe-Institut die Schau vor allem in Ländern Mittel- und Osteuropas, deren jüngere Vergangenheit deutliche Parallelen zum „Totalitarismus der Informationsgesellschaft“ aufweist, wie er die moderne Datenwelt nennt. Das Sammeln von Daten sei dabei aber nicht per se schlecht, es könne auch zu wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen führen, fügte Lívia Nolasco-Rószás hinzu, der Umgang mit den Daten müsse jedoch transparent sein.

Die Themenausstellung, die viele verschiedene Herangehensweisen zu diesem Thema vereint, wurde am Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) konzipiert und dort mit 80 Videos, Skulpturen und Installationen ausgestellt, bevor sie auf Reisen ging. In Prag sind etwa vierzig Ausstellungsgegenstände von Künstlern aus aller Welt zu sehen. An allen Ausstellungsorten suchen die Kuratoren zusätzlich ortsansässige Künstler, die auch zu den Themen Daten und Transparenz arbeiten. In Tschechien zeigen Jakub Geitner aus Karlsbad (Karlovy Vary) und Vladimír Turner aus Prag ihre Arbeiten im Rahmen der Ausstellung.

Zu sehen ist die Ausstellung „Global Control and Censorship“ (Themenseite des Goethe-Instituts zur Ausstellung: hier) vom 19.6. bis zum 26.7. in der Galerie der Nationalen Technikbibliothek in Prag (Galerie Národní technické knihovny, Technická 2710/6, Prag 6 – Dejvice).