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Das Haus Tugendhat und seine Bewohner

WIKO Bruenn Ivo Hammer, Daniela Hammer Tugendhat und Mojmír Jeřábek Brünn/ Brno. „Ich spreche hier als Tochter von Grete und Fritz Tugendhat“ – Mit diesen Worten wurde der Vortrag von Daniela Hammer-Tugendhat an der Masaryk-Universität am 2. Dezember 2013 eingeleitet. Obwohl sie als Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Wien lehrt, hat sie diesmal dem Publikum eine Familiengeschichte dargeboten. Sie selbst wohnte zu keiner Zeit im Haus Tugendhat, ihre Kenntnisse entstammen Gesprächen mit ihrer Mutter und anderen Angehörigen.

 

Am Anfang machte Hammer-Tugendhat nicht nur dem vollbesetzten Saal ein Kompliment, indem sie behauptete, dass es weltweit „kaum eine Stadt mit einer so phantastischen Architektur aus der Zwischenkriegszeit“ gibt. Die Gesellschaft in Brünn habe damals eine offene Einstellung zur modernen Architektur gehabt. Ursprünglich sollte der Bau dem Brünner Architekten Ernst Wiesner anvertraut werden. In Deutschland lernte ihre Mutter jedoch Mies van der Rohe kennen. Sie war von ihm dermaßen beeindruckt, dass die Entscheidung letztlich zu seinen Gunsten ausfiel. Mies entwarf – in Zusammenarbeit mit der Designerin Lilly Reich – nicht nur den Bau sowie den Garten im Großen und Ganzen, sondern auch en détail.

 Kann man im Haus Tugendhat wohnen? So fragte damals der Kritiker Justus Bier in der Zeitschrift „Die Form“. Als Antwort wurden der Öffentlichkeit private Fotografien des Fotoamateurs Fritz Tugendhat präsentiert, die das häusliche Leben illustrierten. Fotografien der Kinder draußen auf der Terrasse, auf den Teppichen im Hausinneren oder im Garten spielend, die Eltern und deren Wohnräume - alles Aufnahmen einer Familie, die angeblich zurückgezogen lebte. Mit der Flucht vor den Nazis 1938 war es mit dieser glücklichen Zeit aber plötzlich aus.

Die Restaurierung des Hauses, die im Februar 2012 abgeschlossen worden war, bewertete Hammer-Tugendhat als Expertin bis auf einige Ausnahmen positiv. So wurden z.B. die authentische Farbe der Barcelona-Sessel und des Mobiliars nicht immer beibehalten. Als Fehler gilt jedoch besonders das eher technische Problem, dass Steine auf der oberen Terrasse nachlässig verlegt wurden und nun bei Regen Wasser ins Haus eindringt.

Es folgte eine Podiumsdiskussion unter Beteiligung der Vortragenden, ihres Mannes Ivo Hammer, eines Kunsthistorikers und Lehrenden an der Fachhochschule in Hildesheim, und des Moderators Mojmír Jeřábek. Letzterer stellte sogleich die erste Frage: Ist es überhaupt möglich, diesem Gesamtkunstwerk noch etwas hinzuzufügen? Es zeigte sich, dass Greta Tugendhat in ihrem Zimmer ein kleines Renoir-Bild hatte. Ferner wurde die technische Ausstattung beschrieben. Für Hammer-Tugendhat wie auch für ihre Mutter war nämlich immer die Luftfeuchtigkeit ein wichtiger Aspekt. Deshalb wurde die Luft technisch gereinigt, befeuchtet und der Raum beheizt.

Im Rahmen der Ringvorlesung Wissenschaftskolleg Österreich-Bibliothek IV. – Architektur und Literatur stellte dieser Vortrag eine Ausnahme dar. Er beschäftigte sich mit der Architektur der Moderne, während die meisten anderen Vorträge der Baukunst des Historismus gewidmet waren. Von höchstem Interesse war aber die familiäre Sicht der Dinge, die allein die Tochter des Bauherrn vermitteln konnte.

Die Autorin ist Mitglied im Schreibkurs zum Wissenschaftskolleg Österreich-Bibliothek

 

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