Eine Bühne voller Hassobjekte

meetfactorytheaterRainald Goetz, Jahrgang 1954, ist spätestens seit seinem Auftritt beim Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis 1983 in der Kunstszene kein Unbekannter mehr. Damals hatte er sich während des Lesens seines Textes vor laufenden Fernsehkameras mit einer Rasierklinge die Stirn zerschnitten. Das brachte ihm zwar viel Aufmerksamkeit, aber auch Kritik ein. Schon damals wurde dieser Auftritt auch als öffentlichkeitswirksame Show und damit ein Angriff auf die ehrwürdige Einrichtung „Ingeborg-Bachmann-Preis“ gesehen. Er bekam 1983 keinen Bachmann-Preis, den Hauptpreis erhielt Friederike Roth für „Das Buch des Lebens“. Dafür ging Goetz als sicherlich bekanntestes neues Gesicht von der Bühne. Diese Erfahrung der wirksamen, gelebten Provokation übertrug er auch stets in seine Werke.

In seinem Theaterstück „Festung“ aus dem Jahr 1992 widmet sich Goetz den Meilensteinen der jüngeren deutschen Geschichte. Er nutzt die Bühne jedoch nicht für einen simplen Rückblick, sondern lässt historische Figuren auftreten, nur um sie nach allen Regeln der Kunst zu zerlegen. Dazu dient ihm auch ein sehr komplexer Sprachstil, der das Stück zu einer Herausforderung für Regisseure, Schauspieler und das Publikum macht.

Die Prager MeetFactory zeigt „Festung“ nun erstmals in der Regie von Miroslav Bambušek in einer tschechischen Übersetzung von Martina Černá. Unter dem Titel „Pevnost“ haben die tschechischsprachigen Zuschauer nun die Gelegenheit Goetz‘ dramatisches Wüten zu erleben und sich selbst ein Urteil zu bilden: Alles nur Publicity Stunt, oder doch pointierter Inhalt?

Die Premiere des Stückes findet am 20.12. um 20 Uhr in der Prager MeetFactory statt. Weitere Informationen zur Veranstaltung, zum Stück selbst und ein Interview mit dem Regisseur (auf Tschechisch) finden sie auf den Seiten der MeetFactory: hier.