Schwejks neueste Abenteuer im Osten

schwejkTschechien exportiert viele Dinge nach Russland, von Autos bis zu unerlässlichen Komponenten für Atomkraftwerke. Der kulturelle Austausch hängt dem etwas hinterher, mag man meinen. Einen Vertreter der tschechischen Kultur aber kennen vor allem die älteren Russen noch sehr gut: den braven Soldaten Schwejk. Jaroslav Hašeks Figur hat als Warnung vor der Absurdität des Krieges ihren Einzug in das kulturelle Bewusstsein des größten Landes der Welt gehalten. Das mag auch mit Hašeks Zeit als Politkommissar der Roten Armee zu tun haben, die es wohl erst ermöglichte, dass sein Roman – wenn auch um diverse Vulgaritäten bereinigt – in der damaligen Sowjetunion veröffentlicht werden konnte. Wie sehr der Eindruck der Irrungen und Wirrungen des „behördlich anerkannten Idioten“ Schwejk im Ersten Weltkrieg nachwirkt, zeigt nun die Stadt Samara an der Wolga. Dort wurde nämlich gerade letzten Freitag feierlich ein neues Denkmal für die Romanfigur enthüllt: Ein bronzener Schwejk sitzt mit verschmitztem Gesichtsausdruck und Pfeife rauchend auf einem Pulverfass Pyroxylin mit einem Spitz zu seinen Füßen. Die Bildhauer Alexander und Nikolai Kuklew sind aber nicht die ersten Künstler, die Schwejk in Russland verewigt haben. Eine lebensgroße Statue steht auch in St. Petersburg. Auch im polnischen Sanok, das früher eine k.u.k.-Garnisonsstadt im Karpatenvorland war, schwejksanokhat man dem braven Soldaten, der weder brav noch sonderlich soldatisch ist, ein Denkmal gebaut. Die Ukraine hat den Schwejk-Stoff sogar in Zusammenarbeit mit dem englischen Autor und Regisseur Robert Crombie als Animationsfilm (tschechischer Trailer auf youtube: hier) umgesetzt. In Tschechien steht noch kein Denkmal für Hašeks berühmteste Schöpfung, dafür hat der Tschechische Rundfunk in diesem Jahr zum 130. Geburtstag des Autors mit dem Schauspieler Oldřich Kaiser eine 20-teiligen Schwejklesung aufgenommen und ausgestrahlt (frei zu hören beim Tschechischen Rundfunk: hier). Die echten Fans halten aber auch die 13-teilige Radioserie aus dem Jahr 1956 mit Jan Pivec in Ehren (hier). Von den unzähligen Filmen ganz zu schweigen. Vielleicht gelingt es ja dem südböhmischen Städtchen Putim (Butin), das auch im Roman Erwähnung findet, doch noch eine Statue aufzustellen. Der Wille ist da, doch ganz Schwejk-typisch fehlt es an Geld - man sammelt noch.