Man würde sich kaum wundern, in diesem verwunschen anmutenden, verfallenen Areal auf ein schlafendes Dornröschen zu treffen. Der Prinz, der das „Kloster der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz“ in Eger wachküsst und so vom Fluch der Verwüstung befreit, wird wohl nicht mehr kommen. Die Stadt plant, das Klosterareal an einen Developer zu verkaufen. Der will dort wiederum einen Wohnpark hochziehen. Der Stadt ist die Ruine ein Dorn im Auge. 

 

 

Vor allem auch, weil, wie es heißt, vermehrt Drogensüchtige und Obdachlose in den verfallenen Mauern Zuflucht finden und aus dem einstigen Kloster einen Hort der Krankheiten machen würden. Tatsächlich bieten Zerstörung und Zerstörungswut, die hier losgelassen wurde, einen nicht nur optischen, sondern auch olfaktorischen Keulenschlag.

Kloster, Kaserne, Kulturgut

Aus denkmalpflegerischer Sicht aber ist die Klosteranlage absolut schützenswert. Stellt sie doch einen der größten erhaltenen historischen Gebäudekomplexe der Stadt Eger dar. Die Kongregation der „Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz“ war der letzte Orden, der sich in Eger niedergelassen hatte. „Dank seiner Betonung der Sozialarbeit und des Schulwesens wurde das Kloster bald eine der wichtigsten Anstalten der Stadt“, erzählt der Egerer Historiker Jaromír Boháč. In nur sechzig Jahren bauten hier die Ordensschwestern eine Erziehungs- und Bildungsanstalt, die im Jahre 1930 bereits von 1200 Schülerinnen besucht wurde und die 80 Lehrer hatte.

Um diese Zeit wurde auch der neue Klosterkomplex errichtet. Er wurde, nach der Vertreibung der Schwestern aus Cheb im Jahre 1950, von 1951 bis 1990 als Kaserne für die Grenztruppen genutzt. Nach 1990 wurde der gesamte Komplex dem Verfall preisgegeben. Die heutigen katastrophalen Zustände gehen also auf die postkommunistische „Disziplinlosigkeiten“ der neuen Freiheiten ungewohnter Vandalen. Der Verfall des Klosters ist eine schändliche Visitenkarte für ganz Cheb. Schließlich handelt es sich bei dem Komplex um einen Teil gesamtböhmischen Kulturguts.

Im Januar 2015 gründeten engagierte Bürger einen Verein zur Erhaltung des Klosters der Barmherzigen Schwestern in Eger. In den Vorstand des Vereins wurden Jan Lébl aus Prag als Vorsitzender, sowie Petr Oškera aus Ellbogen (Loket) und Andrea Ptáčková aus Brünn gewählt. Die Zusammensetzung des Vorstands zeigt ein deutliches überregionales Interesse an der Erhaltung der Klosteranlage.

„Der Verein versteht sich als Initiative, in letzter Minute mit aller Kraft für die Rettung des Klosters einzutreten, dessen Gebäude durch den mittlerweile jahrzehntelangen Verfall in ihrem Bestand akut bedroht sind“, heißt es in der Satzung des Vereins. Ein Erhalt ist durchaus möglich, wenn rasch gehandelt wird. Das Areal ist derzeit nicht gesichert und bekannt als Sammelplatz für wohnsitzlose Menschen und auch Drogensüchtige. Es ist einer der sozialen Brennpunkte der Stadt Eger. Schon von daher ist klar, dass ein Handeln durch die Stadt nötig ist. Dieses Handeln kann entweder im Erhalt, oder im Abriss der Gebäude bestehen.

Verantwortung wahren

Mit einem Engagement zur Erhaltung und Restaurierung des Gebäudekomplexes würde die Stadt Eger auch der Verantwortung vor der Geschichte und gegenüber der Kongregation der Barmherzigen Schwestern gerecht und könnte vom tschechischen Staat wirkungsvoll finanzielle Mittel einfordern. Denn dieser ist zumindest nach 1990 seiner Verantwortung für die enteigneten Gebäude nicht nachgekommen und hat daher den derzeitigen Zustand wesentlich mit zu verantworten!

Nach einer Rettung und Sanierung können alle Gebäude einer sinnvollen, die Stadt Cheb bereichernden Verwendung zugeführt werden: Die Kirche könnte entweder ihrem ursprünglichen Zweck als Kirche zugeführt oder zu einem multikulturellen Kulturraum umgestaltet werden. In die übrigen Bauten könnte wieder ein Kloster oder Sozialeinrichtungen, ein Internat oder Beherbergungseinrichtungen einziehen. Der große Klosterpark könnte den Bewohnern und Gästen der Stadt Eger als Ruhezone zur Verfügung stehen.

„Es ist durchaus wünschenswert, dass die Bemühungen des Vereins für den Erhalt des Klosters der barmherzigen Schwestern Früchte tragen“, heißt es in einer Petition, die im Internet um den Erhalt des Klosters kämpft. Die Rettung des historisch erhaltenswerten Gebäudekomplexes sollte unterstützt werden. Denn ein zerstörtes Denkmal kann nicht mehr zum Leben erweckt werden.

Die Petition zur Erhaltung des Klosters der Barmherzigen Schwestern in Cheb finden Sie: hier.

Die Facebook-Seite der Initiative zur Rettung des Klosters finden Sie: hier.

 

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