Aktuelle Seite: StartseiteKulturSlawist und Philosoph in schwierigen Zeiten

Vorhang auf für junges Theater

Eine dunkle Bühne, im Hintergrund Dschungelgeräusche und Trommeln.

 Zwei russischen Forschern auf Afrika-Expedition wird von dem eingeborenen Koch Kongo eine Suppe aufgetischt, deren Hauptbestandteil eine exotische Wurzel ist, nach deren Verzehr die beiden nach und nach ihr Gedächtnis verlieren. Sie vergessen das „Woher? Wohin? Wozu?“ ihrer Expedition, der Sinn einzelner Worte kommt ihnen langsam abhanden, sie erinnern sich nicht einmal mehr an ihre Namen. Dieses Szenario träumt der Kartograph Iwan Iwanowitsch Borislawski am 29. Dezember 1947 in Moskau. Es ist die erste Szene, die die Karlstruppe am Abend des 13. Mai auf die Bühne des Prager Goethe- Instituts bringt. Die acht theaterbegeisterten Studenten und ihr Regisseur Boris Blahak, DAAD-Lektor am Germanistischen Institut der Karlsuniversität, haben sich kein leichtes Stück ausgesucht: „Träume“ von Günter Eich ist eigentlich ein Hörspiel, das sie für die Bühne adaptiert haben, um „die Angst, die das Leben meint“ nicht nur hörbar, sondern auch auf der Bühne erfahrbar zu machen, wie es im Programmheft heist.

Das Hörstück, das 1951 erstmals gesendet wurde, provozierte damals heftige Hörerreaktionen während und nach der Ausstrahlung. Sie reichten von Empörung über die Forderung, die gesamte Hörspielproduktion einzustellen, bis hin zur Anfrage, ob man den Autor „nicht einsperren“ könne. Danach liefen die „Träume“ 15 Jahre lang nicht mehr über den Ather.

Kontrovers und souverän

Und dieses kontroverse Stück haben sich die fünf Schauspieler, drei Technikerinnen und ihr Regisseur vorgenommen. Tatsächlich wird in den vier auf die Bühne gebrachten Albträumen eine existentielle Angst für den Zuschauer förmlich greifbar. Ob im Traum der russischen Entdecker oder in dem des Schlossermeisters Wilhelm Schulz aus Rügenwalde über eine Familie, die in einem licht- und ziellosen Güterwagen dahinrollt und keine Welt außerhalb des dunklen Zuges kennt, im Traum eines chinesischen Mädchens von kinderfressenden Vampiren ebenso wie im Albtraum einer jungen Amerikanerin über alles verschlingende Termiten. Zwischen den Träumen stehen lyrische Passagen, die sich gegen ein naives Träumen aussprechen und zur Wachsamkeit gegen neu heraufziehende Gefahren ermahnen – ein Verweis auf die zur Zeit der Entstehung des Hörspiels noch allzu präsenten katastrophalen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges.

Die jungen Germanistikstudenten der Karlstruppe setzten die „Träume“ nicht nur schauspielerisch in beeindruckender Weise um, sondern spielten auch souverän mit den Gegebenheiten des Raumes.Die Karlstruppe Foto: kli

Die jungen Theatermacher haben das Bachelor- Studium der Germanistik gerade erst begonnen, was man ihnen beim Spiel in der Fremdsprache Deutsch kaum anmerkt. Die Karlstruppe hat sich im Rahmen eines Theaterseminars von DAAD Lektor Boris Blahak zusammengefunden. Durch intensive Textarbeit haben sie die Inszenierung während der Proben gemeinsam entwickelt, Ton und Effekte selbst erarbeitet und ausgewählt. „Es ist eine willkommene Abwechslung zum Unialltag und wir alle mögen das Theater“, erklärte Zuzana Koháčková, mit 19 Jahren die jüngste Darstellerin, nach der Premiere.

Sie und ihre sieben Kollegen freuten sich über die gelungene Aufführung und auch der Regisseur war zufrieden: „Was Sie heute gesehen haben, war nicht das, was noch vor drei Tagen stand – schon weil wir die technischen Möglichkeiten nicht gekannt haben“, erklärte Boris Blahak. „Aber jetzt haben wir die Endversion gefunden. Da wächst ein guter Jahrgang heran. Ich freue mich auch schon auf das nächste Jahr“, so der Dozent.

Auch Monika Loderová vom Prager Goethe-Institut, die seit acht Jahren die studentischen Theatergruppen der Karlsuniversitat betreut, zeigte sich beeindruckt: „Heute war es mit Abstand das Beste, was wir hier hatten – schauspielerisch, aber auch die Regieeinfalle, die Effekte und die Spannung. Das sieht man nicht jedes Mal“, lobte sie die Truppe. „Der Raum ist natürlich technisch nicht perfekt für das Theater geeignet, aber weil die Studenten das so gerne machen, bringen sie auch vieles selbst mit – vor allem viel Enthusiasmus, der ansteckend ist“, sagte sie.

Der ist so ansteckend, dass es in diesem Jahr sogar erstmals zwei Theatergruppen an der Karlsuniversitat gibt, die im Goethe-Institut ihr Können unter Beweis stellen: Am 23. Mai um 17 und um 20 Uhr spielt der zweite Theaterkurs des Germanistischen Seminars unter Leitung von Antonia Villinger aus Köln hier Arthur Schnitzlers „Reigen“.

Die Autorin ist ifa-Redakteurin der LandesZeitung.

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