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Rock in neuem Gewand

Die Berliner Band „Meadowstar“ spielte mit den englisch-tschechischen Musikurgesteinen Phil Shoenfelt und Pavel Cingl in der Žižkover Kultkneipe „U Vyštřelenýho Oka“.

 Das „Vyštřelený Oko“ („Ausgeschossenes Auge“), benannt nach dem legendären einäugigen hussitischen Heerführer Jan Žižka, in Prag ist kein Ort für prätentiöses Verhalten. Wer dorthin geht, trinkt sein Bier, isst, raucht und unterhält sich – fertig. Niemand muss sehen oder gesehen werden, die Einrichtung ist zweckorientiert, man bleibt auf dem Teppich oder eben auf dem abgewetzten Holzboden. So fand die handgemachte und unaufgeregte Musik mit durchaus lyrischen Anklängen des Berliner Duos „Meadowstar“ hier ein passendes Ambiente. Im Singer-Songwriter-Stil präsentierten die Berliner einen stimmungsvollen ersten Teil, bevor die Shoenfelt und Cingl mit Geige und Gitarre kräftigere Saiten aufzogen.

Zum einfühlsamen Gitarrenspiel von Oliver Grauer gibt Frontfrau Tine Neumann ihre akustischen Neuinterpretationen klassischer Rocksongs zum Besten. Dazu nimmt sie Akkordeon, Melodica, Mundharmonika oder eine zweite Gitarre zu Hilfe. „Das ist schon recht reduziert“, sagt sie später, „wir machen ja mehr so Musik für Heulsusen“, grinst sie. Damit ist wohl der melancholische Unterton gemeint, der aus ihren Liedern immer wieder herauszuhören ist. „Für mich ist das eine sehr persönliche Sache, diese Songs zu schreiben. Bei mir bekommt jeder einen ganz neuen, eigenen Charakter. Das ist eine Art Ventil für Gefühle“, erklärt die Berlinerin.

Sieben Jahre steht Tine schon mit „Meadowstar“ auf der Bühne. Die andere Hälfte der Band musste sie kürzlich auswechseln, so fand in Prag der erste Auftritt mit dem neuen Gitarristen statt. „In der kurzen Zeit muss man sich erst mal aufeinander einstellen“, erklärt Olli. Und Tine freut sich, dass sie Olli für die Band gewonnen hat: „Er ist sehr professionell“. „In Prag habe ich schon öfter gespielt“, kann Tine im Gegensatz zu ihrem Kollegen behaupten. Im Prinzip sei es nicht viel anders als in Berlin. „Prag ist unglaublich interessant und kreativ. Es gibt auch viele amerikanische Künstler, die zwischen Prag und Berlin pendeln“, sagt sie. Trotzdem werde die Stadt nicht von deutschen Musikern überrannt. „Manche, vor allem Westdeutsche, assoziieren die Stadt vielleicht immer noch mit Ostblock und so, außerdem können auch nur wenige Tschechisch.“ So bleibt Prag für die kreative Szene nah und fern zugleich.

Prag als Wahlheimat
Ziemlich nah ist Prag dem englischen Musiker Phil Shoenfelt, der hier seit 1995 lebt. Als  Alteingesessener der New Yorker und englischen Musikszene hat er schon mit großen Namen wie Nikki Sudden oder Nick Cave zusammengearbeitet. „Er ist eine spannende Persönlichkeit“, findet Tine, die ihn schoneinige Zeit kennt. Neben Auftritten mit verschiedenen Bands und Musikprojekten hat er auch Romane veröff entlicht, die auf Englisch und Tschechisch erschienen sind. Mit dem tschechischen Violinisten Pavel Cingl arbeitet er bereits seit fast 15 Jahren zusammen. Ihre letzte CD nahmen sie live in einem Prager Club auf.

Im Oko ist die Atmosphäre inzwischen gelöst. „Meadowstar“ lassen sich den Auftritt der erfahrenen Kollegen nicht entgehen. Das frischgebackene Duo ist mit seinem Auftritt zufrieden und genießt nun die Musik. Können die beiden eigentlich Tschechisch? Sie lachen. „Nein, leider nicht“. Nur die Wendung „ty vole“ – „du Ochse“, haben sie sich gemerkt. Und in Zukunft? Beide kriegen nachdenkliche Gesichter. Olli will auf Tour nach Kanada. „Nach Kanada?“ fragt die Sängerin. Dann lacht sie. „Na gut, auf nach Kanada!“

Der Autor ist LZ-Praktikant.

 

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