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Künstler hinter der Kamera

Zum vierten Mal drehte sich beim Festival „Kamera Oko“ in Ostrava alles um die Filmemacher hinter der Kamera.

 

 

Steven Spielberg, James Cameron und Francis Ford Coppola: berühmte Regisseure, deren Namen jeder kennt. Nennt man Janusz Kaminski, Mauro Fiore, Vittario Storaro erntet man meist Stirnrunzeln. Dabei sind es die Oscar- Preisträger und Stammkameramänner von Spielberg, Cameron, Coppola und Co, die uns mit ihren Bildern Geschichten erzählen und in andere Welten entführen.

 

Obwohl es seit vielen Jahren eine eigene Oscar-Auszeichnung in der Kategorie „Beste Kamera“ gibt, stehen Kameramänner und Kamerafrauen meist im Schatten von Schauspielern oder Regisseuren. Nicht so in Ostrava. Der erste Blick in den Katalog zu „Kamera Oko“ („Kamera Auge“) sorgt erst einmal für Verwirrung, aber schnell wird klar: Über den Filmen steht nicht der Name des Regisseurs sondern der Name des Kameramanns. Denn es sind die Bildautoren, die im Zentrum des Festivals in der ehemaligen tschechischen Industriemetropole stehen.

 

Weltweit gibt es nur drei Festivals, die sich auf die Kunst des perfekten Bildes spezialisiert haben: „Camerimage“ im nordpolnischen Bydgoszcz, „Manaki Brothers“ in Mazedonien und seit vier Jahren „Kamera Oko“ in Ostrava. „Die Cinematograhie ist zunächst einmal etwas sehr Technisches, man muss wissen, wie eine Kamera funktioniert und wie man Bilder kreiert. Daraus entsteht dann eine ganz eigene Ästhetik. Das passt nach Ostrava, einer Industriestadt, die mehr und mehr kulturell und ästhetisch entdeckt wird“, erklärt Festivaldirektor Jakub Felcman.

 

Das gigantische ehemalige Ostrauer Industriegelände Vítkovice, das einst das größte Hüttenwerk der Habsburg-Monarchie beherbergte, war der Start- und Endpunkt des einwöchigen Festivals. Der Eröffnungsfilm „Rebelle“ wurde zwischen Kokerei, Fördertürmen und Hochöfen gezeigt, die Abschlussgala fand einige Meter weiter in der Aula Gong, einem ehemaligen Gastank, statt.

 

FilmIndustrie

 

Die Verbindung von Industrie und Film ist auch für den Ehrengast des Festivals, Oscar-Preisträger Walter Lassally, prägend gewesen: „Ich wusste schon im Alter von 15 Jahren genau, dass ich Kameramann werden wollte“, sagt der gebürtige Berliner. „Mein Vater drehte Industriefilme. Er war Ingenieur und einer der ersten, der Film als Werkzeug im Ingenieurswesen nutzte, indem er bestimmte industrielle Vorgänge aufnahm. Zuhause hatte er einen Tricktisch, an dem ich ihm schon als kleiner Junge half“, erinnert sich der heute 86-jährige Kameramann. Die Liason von Filmfestival und Industriestadt macht also durchaus Sinn. Walter Lassally jedenfalls chätzt die familiäre Atmosphäre des Festivals: „Das Schöne an Kamera Oko ist, dass es so klein ist. Cameraimage in Polen ist mir mittlerweile zu groß. In diesem Jahr liefen dort 200 Filme. Da braucht man ja eine Woche, um den Katalog zu lesen“, schmunzelt Lassally.

 

Die vertraute und unaufgeregte Stimmung ist auch Festivalleiter Jakub Felcman wichtig: „Kameraleute haben eine starke Community und gut funktionierende Netzwerke. Sie arbeiten in nationalen und internationalen Organisationen zusammen. Bei ihnen herrscht nicht dieses Konkurrenzdenken wie bei vielen Regisseuren“, so Felcman. „In Ostrava treffen sich Kameraleute und diskutieren: Wie hast du das gedreht, wie hast du diesen Shot gemacht, welchen Filter hast du für diese Szene benutzt“, sagt Felcman.

 

Neben einem Lang- und Kurzfilmwettbewerb und einer Hommage an den tschechischen Kameramann Jaromír Šofr, der bei über 40 Filmen – darunter „Liebe nach Fahrplan“ und „Ich habe den englischen König bedient“ von Jiří Menzel – hinter der Kamera stand, gab es Workshops, Diskussionen und Einblicke in noch unvollendete Produktionen. Auch der neue deutsche Film war mit einer eigenen Festivalsektion vertreten. Michael Hogenauer stellte mit Unterstützung des Goethe-Instituts Prag die Reihe „Berliner Schule“ zusammen, die dem neuen deutschen Autorenkino gewidmet war. „In den Filmen, die man zur ,Berliner Schule‘ zählt, spielt die Kamera die Hauptrolle“, erklärt Kurator Hogenauer. „Es sind bestimmte Strategien und Techniken der Bildkomposition und des Erzählens, die eine Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Geschehen aufbauen. Die Kameraleute der Berliner Schule haben eine ganz spezifische Handschrift“, erläutert Hogenauer.

 

Ein Teil des Ostrauer Programms kommt Anfang Oktober nach Prag: Am 4. Oktober wird im Studio Béla des Ungarischen Instituts die tschechische Premiere des Films „Tambylles“ laufen, am Tag darauf wird eine Auswahl des Ostrauer Kurzfilmwettbewerbs gezeigt. Im November wird das Kino Ponrepo des tschechischen Filmarchivs sich mit der Berliner Schule beschäftigen.

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