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Literatur zum Anfassen

Im Prager Literaturhaus wurde die langersehnte Dauerausstellung „Kabinett der Prager deutschsprachigen Literatur“ eröffnet.


Die zwei anwesenden Gründungsväter der Literaturhauses František Černý und Kurt Krolop zeigten sich sehr erfreut, dass das lang geplante Projekt und Herzensanliegen ihrer Mitstreiterin, der 2008 verstorbenen letzten Prager deutschsprachigen Autorin Lenka Reinerová, nun verwirklicht wurde. Černý bedankte sich in seiner Ansprache auch bei Karel Schwarzenberg und Frank-Walter Steinmeier. Als 2007 die Planungen für die Ausstellung begannen, sagten die beiden damaligen Außenminister sofort ihre Hilfe zu. „Die Unterstützung der deutschen und tschechischen Regierung ist ein Ausdruck der guten deutsch-tschechischen Beziehungen“, freute sich der tschechische Botschafter a.D. František Černý.

Sowohl der tschechische Außenminister Schwarzenberg als auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Steinmeier sandten Grußschreiben zur Ausstellungseröffnung. „Diese Ausstellung spiegelt den Reichtum der Vergangenheit wider, dessen wir uns bewusst sein sollten und den wir weiterentwickeln wollen“, lobte Außenminister Schwarzenberg in dem von seinem Stellvertreter Vladimír Galuška verlesenen Grußwort.

Auch Steinmeier ging auf die Wichtigkeit ein, sich an verbindende Elemente in der deutsch-tschechischen Geschichte zu erinnern: „Die Literatur war schon immer eine Brücke im oft schwierigen Verhältnis der Nachbarn Deutschland und Tschechien“, betonte er in seinem Brief, der vom Deutschen Botschafter in Prag, Detlef Lingemann, verlesen wurde. Lingemann dankte außerdem der Leiterin Lucie Černohousová für ihr außerordentliches Engagement für das Literaturhaus. Sie ist gemeinsam mit dem Historiker Miloslav Man verantwortlich für das Konzept und die Umsetzung der Ausstellung.

Von Prag in die Welt

Die Ausstellung, auf den ersten Blick ein kleiner, von einer Regalwand gesäumter Raum, bietet einen tiefen Einblick in die Geschichte der deutschsprachigen Autoren und der deutschen Minderheit in Prag insgesamt. „Das Ziel der Ausstellung ist, dem allgemeinen Publikum, auch den Nicht-Spezialisten, die Prager deutsche Literatur auf anschauliche Weise näher zu bringen“, erklärt Barbara Šrámková, Programmmanagerin am Prager Literaturhaus.

Die Blüte der deutschsprachigen Literatur in Prag begann mit Rainer Maria Rilke in den 1890er Jahren. Prag war damals ein Schmelztiegel der Kulturen, innerhalb dessen die Deutschen eine zwar kleine, aber kulturell und gesellschaftlich bedeutsame Minderheit darstellten. Um die Jahrhundertwende zählte Prag zwei deutsche Hochschulen, drei Zeitungen und zwei große Bühnen. Das intellektuell anspruchsvolle deutsche Publikum bot einen idealen Nährboden für zahlreiche Autoren, von denen einige weit über die Grenzen Prags hinaus von sich Reden machten: Vor allem Franz Kafka, aber auch Max Brod, Egon Erwin Kisch und Franz Werfel erlangten mit ihrem Schaff en Weltruhm.

Die Schubladen und Schränke des Kabinetts geben erst beim Öffnen ihr Geheimnis preis. Da finden sich unter anderem die  Volkszählungsdokumente der Familie Kafka und die Taschenuhr von Egon Erwin Kisch. Das Besondere: Alles darf in die Hand genommen, begutachtet und ausprobiert werden. An Tablet-PCs kann man Hörproben des Prager Deutsch lauschen. Wen die Muse küsst, der kann sich an eine Schreibmaschine des Typs Olympia setzen und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Eine große Sammlung von Anthologien, die sonst nur sehr schwer zugänglich sind, liefert auch für Experten noch neue Erkenntnisse. Auch die liebevoll zusammengestellten Autorenmappen bieten mit ihren Biographien, Fotos und Dokumenten einen kurzweiligen Einblick in das Leben und Werk der Künstler. Kein Wunder, wenn einen dabei das Lesefieber packt. Zum Glück funktioniert die Ausstellung gleichzeitig als Bibliothek, die zahlreiche Erstausgaben und Nachdrucke der Werke Prager Schriftsteller enthält. Schmökern ist ausdrücklich erwünscht! Und die Sammlung soll weiter wachsen: In den leeren Fächern der Regalwand ist noch viel Platz für weitere Exponate.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nahm auch die Blütezeit der Prager deutschsprachigen Literatur ein jähes Ende. Lenka Reinerová war eine der Wenigen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Exil zurückkehrte. Sie gilt vielen als die letzte deutschsprachige Autorin Prags. In einem Interview, das in der Ausstellung gezeigt wird, erklärt sie, dass es ihr ein großen Anliegen ist, die deutsche Sprache und Literatur als integralen Bestandteil der Prager Kultur im Gedächtnis zu bewahren. Die Ausstellung leistet zweifelsohne einen großen Beitrag dazu. Sie widmet sich auch der immer größer werdenden Zahl tschechischer Literaten, die an die Tradition anknüpfen, auf Deutsch schreiben oder die Werke deutschsprachiger Autoren ins Tschechische übersetzen. Die literarische Brücke bringt so Deutsche und Tschechien
immer näher zusammen.


Die Autorin ist LZ-Praktikantin und studiert Empirische Kulturwissenschaft und Slavistik in Tübingen.

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