Am Samstag startet das Prager Theaterfestival deutscher Sprache mit Gastspielen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Das Festival bringt brisante Themen auf die Bühne. Das LandesEcho stellt eine Auswahl des Programms vor.

Am 16. November startet in der tschechischen Hauptstadt das Prager Theaterfestival deutscher Sprache. Zwei Wochen lang kommen namhafte Theaterensembles aus Deutschland, Österreich, Luxemburg, Liechtenstein, Tschechien und der Schweiz nach Prag, um dem Publikum ihre besten Produktionen zu präsentieren. Das Motto des aktuellen, bereits 24. Festivaljahrgangs wurde Moc – Bezmoc / Macht – Ohnmacht.

Die Eröffnung findet traditionell im Theater in den Weinbergen (Divadlo na Vinohradech) statt. Dort wird mit dem Menschenfeind das wohl autobiographischste Werk von Molière aufgeführt. Darin schildert der Dramatiker schonungslos das Leben am französischen Hof Ludwigs XIV. und von Menschen, die im Bann eigener Schwächen hin- und hergerissen werden. Die Berliner Regisseurin Anne Lenk hat diese berühmte Gesellschaftskomödie eindrucksvoll inszeniert. Die Rolle des Titelhelden Alceste vertraute sie dem Berliner Theater- und Filmschauspieler Ulrich Matthes an, den man als Josef Goebbels im Kriegsdrama Der Untergang von 2004 kennt. In der Rolle seiner angebeteten Célimène, einer unabhängigen, früh verwitweten Frau, um die eine ganze Männerheerschar wirbt, tritt Franziska Machens auf.

Auf der Bühne des Ständetheaters (Stavovské divadlo) ist am 24. November das Wiener Volkstheater zu Gast. Das Ensemble bringt die Inszenierung König Ottokars Glück und Ende vom österreichischen Dramatiker Franz Grillparzer nach Prag. Dieses österreichische Nationaldrama, in dem der Böhmenkönig ziemlich schlecht wegkommt, hat bei den tschechischen Patrioten zu seinen Entstehungszeiten einigen Unwillen geweckt. Doch der erfahrene tschechische Theaterregisseur Dušan Pařízek hat es jetzt in ein provokatives Unterhaltungsspektakel um Machtkämpfe verwandelt. In der Rolle des Böhmenkönigs Ottokar wird der tschechische Film- und Theaterschauspieler Karel Dobrý zu sehen sein.

Zimní slunovrat Komorní scéna Aréna Ostrava foto Roman Polášek 012 web

Am 25. November werden die Festivalveranstalter im Theater La Fabrika den Josef-Balvín-Preis für die beste tschechische Inszenierung eines deutsch geschriebenen Textes verleihen. Die diesjährigen Preisträger heißen Adam Svozil und Kristýna Jankovcová. Das junge Regisseurenduo inszenierte für die Komorní scéna Aréna aus Ostrava (Kammerbühne Aréna, Ostrau) die tschechische Aufführung Zimní slunovrat (Die Wintersonnenwende) des deutschen Dramatikers Roland Schimmelpfennig (Jahrgang 1967). In diesem Stück werden bei einem Familientreffen zu Weihnachten Fragen um das Thema des Nationalsozialismus in Deutschland, der Schuld und Unschuld, erneut aufgeworfen.

Lars Eidinger kennt man aus den Fernsehkrimis Tatort und Babylon-Berlin oder von den Theaterbühnen Deutschlands. Bald wird man ihn auch in Prag treffen können. Am 29. November lädt er Freunde der eklektischen Tanzmusik in die neuen Räumlichkeiten von Fuchs2 in Prag-Štvanice ein, wo er in seiner Autistic Disco als DJ auftreten wird.

Den Abschluss des 24. Festivaljahrgangs bildet am 3. Dezember die Inszenierung Penthesilea im Theater in den Weinbergen. In den beiden Hauptrollen spielen zwei ausdrucksstarke deutsche Darsteller: Sandra Hüller, die man aus dem deutsch-österreichischen Drama Tony Erdmann von 2016 kennt, und der Träger des Iffland-Ringes, Jens Harzer. Der Regisseur und Intendant des Schauspielhauses Bochum, Johan Simons, nahm sich des großen Stoffes von Heinrich Kleist an, um das ewige Thema von Kampf und Lust sowie Liebe und Tod zwischen der Königin der Amazonen Penthesilea und dem griechischen Gott Achill erneut aufzulegen.

Alle Aufführungen werden ins Tschechische übertitelt.

Das komplette Festivalprogramm auf www.theatre.cz