Kontakt zu anderen Menschen in einer Stadt wie Prag zu finden ist nicht schwer. Und damit meine ich nicht, dass man sich manchmal nur mit Körpereinsatz durch die Menschenmenge drängen kann.

 

Im letzten Jahr, war ich für ein Auslandssemester in Prag und habe Menschen von allen Kontinenten kennen gelernt. Das war eine tolle Erfahrung. Oft blieben die Kontakte nicht oberflächlich, mit vielen habe ich mich auch über tiefergehende Themen, wie Politik, Kultur und Globalisierung unterhalten. Und mit einigen habe ich immer noch Kontakt. Das hat (hoffentlich nicht nur) meinen Horizont erweitert. So eine starke Internationalität, hatte ich zu Beginn des Semesters nicht erwartet. Meine Erasmus-Freundschaften übrigens auch nicht.

Und auch in diesem Jahr bleiben die internationalen Kontakte nicht lange aus. Mit einer Slowakin gehe ich regelmäßig Badminton spielen. Ein paar andere noch lose Bekanntschaften habe ich über Facebookgruppen geknüpft.

Und neulich gab es wieder eine Episode, die mir sehr viel Freude bereitet hat. Vor den Osterfeiertagen, ging ich mit Bekannten nach einer beruflichen Veranstaltung auf einen der Prager Ostermärkte, um ein oder zwei Bier zu genießen. Wir standen an einem der Stehtische und unterhielten uns auf Deutsch. Da sprach uns ein junger Mann an, der ebenfalls mit einem Bier bei uns am Tisch stand. „Ich will nicht unhöflich sein, aber ihr seid deutsch?“, fragte er mit starkem russischen Akzent.

Damit begann ein Gespräch zwischen uns. Der junge Mann kommt aus Moskau und lernt deutsch, weil er gerne nach Deutschland zum Studieren und Arbeiten kommen würde. In Prag war er für fünf Tage zum Urlaub.

Unsere anfängliche berufliche Runde wurde recht schnell kleiner, am Ende waren wir noch zu fünft. Den Russen, der ja eigentlich erstmal nichts mit unserer Gruppe zu tun hatte, eingeschlossen. Wir sind dann noch zusammen in ein Restaurant gegangen. Es war ein Abend voll kulturellem Austausch mit interessanten Gesprächen. Denn außer Deutschland und Russland war noch Frankreich vertreten.

Aber wo bleiben bei diesem internationalen Austausch die Tschechen? Leider sind sie meist außen vor. Von Leuten, die schon länger hier in Prag leben, habe ich auch gehört, dass sie kaum tschechische Kontakte haben. Aber man kann den Tschechen natürlich keinen Vorwurf machen. Kaum jemand bemüht sich in seinem eigenen Land aktiv darum ausländische Kontakte herzustellen. Die Ausländer, die frisch nach Prag ziehen, müssen sich erstmal neue soziale Kontakte suchen und weil kaum einer Tschechisch beherrscht, sucht man sich lieber andere Ausländer.

Ich weiß, dass viele Tschechen ein Problem damit haben, dass es so viele Ausländer gibt, die in ihrer Hauptstadt leben. Man sagt ihnen die steigenden Preise nach. Aber das Wachstum der tschechischen Wirtschaft ist schließlich auch durch zumeist internationale Unternehmen zustande gekommen.

Und ein häufiges Problem ist auch die Sprache, die ich schon in einem vorherigen Blog ausführlicher thematisiert habe. Vielen Ausländern fällt es schwer Tschechisch zu lernen, aber es gibt weiterhin auch viele Tschechen, die kein oder nur schlechtes Englisch sprechen. Und die Beziehung zur russischen Sprache, die ja noch von einigen gesprochen werden kann, ist auch keine einfache. Deshalb bleiben die Sprachgruppen meist unter sich.

Aus meiner zuweilen naiven Sicht würde ich mich trotzdem freuen, wenn mehr Menschen den Austausch mit anderen Kulturen suchen würden. Es ist eine bereichernde und inspirierende Erfahrung den Standpunkt anderer Menschen, Kulturen und Nationen zu verstehen. Und in einer globalisierten Welt doch auch wichtiger denn je.


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