Deutsche und Tschechen haben vieles gemeinsam, zum Beispiel die Betonung in Wörtern. Trotzdem tappen Deutsche regelmäßig daneben, dass es kracht.

 

Neulich im Eurocity von Dresden nach Prag. Nächster Halt: Detschihn! Aua, da war es wieder. Die deutsche Zugbegleitung betont den Namen der ersten tschechischen Stadt nach der Grenze kräftig auf der zweiten Silbe. OK, über dem „i“ ist ein Strich, aber das ist kein Betonungszeichen wie im Französischen, sondern markiert die Länge. Man kann nämlich lang ziehen, ohne zu betonen. Also, die Tschechen können es.

Oder wie hieß noch mal der berühmte Schriftsteller, der mit der Leichtigkeit des Seins? Richtig, Milan Kunderra. Obwohl, der schreibt sich ja nur mit einem „r“, aber die Deutschen legen die Betonung so dermaßen penetrant auf die zweite Silbe, dass es den Tschechen vor lauter „r“ nur so in den Ohren rasselt.

Dabei ist es ganz einfach: In Tschechien wird jedes Wort, ja JEDES, auf der ersten Silbe betont. Auf Tschechisch-Lernende warten noch genug Klippen, da muss man sich nicht auch noch bei der Betonung das Leben schwerer machen, als es ist. Warum wir Deutschen dennoch mit solcher Ausdauer auf der zweiten Silbe betonen, ist ein echtes Rätsel, umso mehr, da die ganze Physiognomie unserer Aussprache auf die erste Silbe ausgerichtet ist. Denn im Deutschen wird in der Regel ebenfalls vorn betont.

Oder betonen Sie etwa ihre Heimatstadt auf der zweiten Silbe? Dresden, München, Düsseldorf, Dortmund, Leipzig, Hamburg, Stuttgart, sogar Chemnitz, alle vorn betont. Na gut, bei Berlin ist es anders, aber die kriegen ja immer Extrawürste. Und Gelsenkirchen – geschenkt, das ist nun wirklich zu lang. Das ist auch im Tschechischen nicht einfach. Versuchen Sie mal, Nelahozeves auszusprechen und dann noch richtig zu betonen. Das liegt übrigens die Moldau abwärts bei Prag und ist durch Antonin Dvorak berühmt, der dort einst lebte.

Aber zurück zur Betonung, die liegt bei den meisten Wörtern im Deutschen vorn. Ausnahmen sind meist Fremdwörter oder besonders lange Kreationen. Also, warum bitte vergewaltigen wir den Namen berühmter tschechischer Literaten und schöner Städte? Tetschen, der deutsche Name von Děčín wird übrigens auch vorn betont.