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LandesBlog - Ein Sommer voller Kunst

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Ich muss zugeben - Ich wollte nicht immer Journalist werden. Mehr als einmal besuchte mich ein anderer Gedanke. Das Leben eines Künstlers, das wär’s. Von Beruf kreativer Kopf sein, Kunstwerke schaffen und Ausstellungen überall auf der Welt, klingt doch soweit nicht schlecht. Leider scheiterte dieser Berufswunsch schon an meinem mangelnden Enthusiasmus dafür eine Mappe für ein Kunststudium zu erstellen.

Ob ich damit überhaupt angenommen worden wäre, sei mal dahingestellt. Außerdem sollte es dann doch etwas „Vernünftiges“ mit mehr finanzieller Sicherheit sein. Also fing ich an Journalismus zu studieren. Haha.

Was jedoch blieb, ist meine Freude daran, die Kunstwerke anderer Menschen anzusehen. Sprich: Zu einem anständigen Städtebesuch gehört bei mir immer der Besuch von mindestens einem Kunstmuseum, oft zum Leidwesen meiner Begleiter. Da ich nun für mein Praktikum beim LandesEcho drei Monate in Prag lebe, ist das für mich die perfekte Gelegenheit, die Prager Kunstszene zu durchforsten. Und da es ja mit einer kleinen Herausforderung viel mehr Spaß macht, habe ich es mir zum Ziel gemacht, hier Werke von deutschen Künstlern ausfindig zu machen.

Nach einiger Recherche fand ich die Kollektivausstellung „More Than Lovers, More Than Friends“ im FUTURA Zentrum der Zeitgenössischen Kunst (Centre of Contemporary Art). Laut Internetseite sind zwei deutsche Künstler, Thom Kubli und Sonja Engelhardt, mit an der Ausstellung beteiligt. Dort angekommen, ist es gar nicht so einfach ihre Werke von den anderen zu unterscheiden. Hier gibt es keine Beschriftungen an den Wänden, wie ich es von anderen Galerien kenne. Insgesamt wird mein deutsches Bedürfnis nach Ordnung und Struktur nicht befriedigt. Es ist ein unübersichtliches Wirrwarr an Räumen, Gängen und Treppen. Weiß gestrichene, lichtdurchflutete Räume wechseln sich mit heruntergekommen erscheinenden Kellergewölben aus roten, freiliegenden Backsteinen ab.

Plakat zur Ausstellung "More Than Lovers, More Than Friends"

Von Heizkörpern und Klangwelten

Schließlich gelang es mir, die Skulpturen der deutschen Künstlerin Sonja Engelhardt zu identifizieren. Die weißen, quadratischen Plastiken erinnern mich in ihrer Form an die Klangkörper der Ziehharmonika oder von altmodischen Plattenkameras, nur dass sie nicht biegsam sind, sondern aus glatter, starrer Keramik. Oder weniger romantisch: sie sehen aus wie kleine, an den Seiten bunt verzierte, Rippenheizkörper aus den 70ern an die jemand Antennen geschraubt hat. Vielleicht fehlt mir einfach der Sinn für moderne Skulpturen, aber wirklich überzeugt bin ich nicht.

Thom Kublis Werk ist dafür umso beeindruckender. Seine akustische Installation „Children of the convolution” („Kinder der Windungen“) erschreckte mich im ersten Moment geradezu. Sechs unscheinbare Lautsprecher aufgebaut in einem kleinen Durchgangsraum im Keller der Galerie. In dem Moment, in dem ich den Raum betrat, fing es laut an zu knistern und zu rauschen. Es folgte ein langgezogener Piepton, der innerhalb kürzester Zeit eine beklemmende Atmosphäre in dem kleinen Raum schuf. Die Lautstärke und die Klänge verändern sich, je nachdem wo man steht. Ich fühlte mich wie an der spannendsten Stelle eines guten Filmes – dann, wenn man kaum noch hingucken mag. Tatsächlich machte die Installation von allen Ausstellungsstücken den größten Eindruck auf mich.

Ja, die moderne Kunst und ich hatten schon immer ein etwas gespaltenes Verhältnis zueinander. Bisher dachte ich, das liege daran, dass Kunst für mich, trotz tiefgehender Hintergrundgedanken, immer auch etwas optische Ästhetik beinhalten muss. Einfach gesagt: Kunst soll für mich auch schön aussehen. Dieses Konzept scheinen nicht alle zeitgenössischen Künstler mit mir zu teilen. Diesmal stelle ich jedoch fest, dass mich die durchaus vorhandene Schönheit der glatten symmetrischen Skulpturen von Sonja Engelhardt kaum anspricht. Dafür begeistert mich die beengende Klangwelt von Thom Kublis Installation. Und das obwohl ich sie gar nicht sehen konnte.

Die Ausstellung „More Than Lovers, More Than Friends” ist noch bis 11. September im FUTURA Centre of Contemporary Art zu sehen. Welche anderen Künstler noch an daran beteiligt sind, finden Sie auf der Internetseite der Galerie: hier.

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