In Tschechien erfreut sich Urlaub auf dem Bauernhof einer immer größeren Beliebtheit. Eine Möglichkeit dafür bietet das Bauerngut der Familie Bartl/ Lepší im Dorf Sirnin (Srnín), etwa drei Kilometer vor Böhmisch Krummau (Český Krumlov). Lenka Lepší erzählt im Gespräch über ihre deutschen Wurzeln, warum sie stolz auf ihren Beruf ist und sich im Böhmerwaldverein engagiert.

LE Wo liegen Ihre deutschen Wurzeln, Frau Lepší?

Mein Großvater Ludwig Mugrauer war einer von sieben Brüdern und stammte aus Höritz (Hořice na Šumavě). Er hat meine Großmutter Aloisia Schonauer geheiratet und ist auf das Schonauer-Gut in Alt Turkowitz (Staré Dobrkovice) gezogen. Es lebten acht deutsche Bauern dort, bis auf meine Großeltern wurden 1945 jedoch alle vertrieben. Die Großeltern sind noch bis 1948 auf dem Gut geblieben und mussten dann in eine Wohnung nach Krummau umziehen. Danach hatten sie jahrelang um die Umzugserlaubnis ersucht und sind 1965 schließlich nach Nürnberg ausgewandert. Meine Mutter Maria Mugrauer (geb. 1934) hat meinen Vater, einen Tschechen, geheiratet und ist geblieben.Bäuerin Lenka Lepší mit Sohn Vojtěch und Enkelkindern. Foto: privat

Bäuerin Lenka Lepší mit Sohn Vojtěch und Enkelkindern. Foto: privat

LE Wie kam es dazu, dass Sie den Böhmerwaldverein übernommen haben?

Wir werden alle älter. Frau Emma Marx (geb. 1937) war Gründungsvorsitzende und übte das Amt von 1992 bis 2019 aus. Ich habe es hoch geschätzt, dass die Leute mit der gemeinsamen Geschichte zueinander gefunden haben. Sie haben sich erinnert, von dem Erlebten erzählt und sind offen als Deutsche aufgetreten. Nach der Vereinsgründung stieß das zunächst auf negative Reaktionen seitens der Tschechen, heute ist es aber nicht mehr so stark ausgeprägt. Es kommen auch Leute ohne einen deutschen Hintergrund dazu. Es wäre schade, die halbfertige Arbeit liegenzulassen. Deswegen habe ich das Amt im letzten Jahr übernommen.

Es ist für mich eine Ehre, eine Bäuerin zu sein und in die Fußstapfen meiner Großeltern zu treten.

LE Was können Sie uns über Ihr Gut erzählen?

Zusammen mit unserem Sohn Vojtěch (geb. 1987) bewirtschaften wir 350 Hektar, davon sind 150 Hektar im eigenen Besitz und 200 Hektar gepachtet. Wir bauen kein Getreide an, nur Viehfutter. Bis 2019 war unser Haupterwerbszweig die Milchproduktion mit 150 Milchkühen und die Kälberzucht mit 30 Mutterkühen. Die Milchproduktion haben wir aber vorerst eingestellt. Der Ankaufspreis für Milch liegt jetzt bei nur sieben Tschechischen Kronen pro Liter und dabei ist es nicht sicher, ob die Molkerei die ganze Produktion abnimmt. Die Kühe sind aber jeden Tag zu melken und der Preis müsste mindestens neun Kronen erreichen. Seit fünf Jahren nehmen wir am Programm „ökologische Landwirtschaft“ teil. Wir verwenden keine chemischen Schutzmittel, sondern nur Dung und Gülle. Die Bioproduktion ist natürlich teurer. Der Milchpreis müsste bei 11,50 Kronen liegen. Zuletzt haben wir die Biomilch für nur sieben oder neun Kronen verkaufen wollen, aber nicht genügend Absatz gefunden. Dieses Jahr lassen wir die Kälber bei den Mutterkühen und verkaufen die Bullen, die Färsen und die Kälber an Schlachthöfe in Österreich. Aber auch auf dem Fleischmarkt herrscht ein bitterer Wettbewerb und drückt die Preise. Ein weiteres Problem in der Landwirtschaft sind die Arbeitskräfte. Melken muss man jeden Tag und ein höherer Lohn reicht oft nicht aus, um jemanden dafür zu begeistern.

Darüber hinaus betreiben wir auf dem Hof auch noch unsere „Pension bei Krummau“ mit 35 Betten.

LE Sie betreiben auch eine Pension?

Die „Pension bei Krummau“ betreiben wir jetzt schon seit 15 Jahren. Durch booking.com haben auch Gäste aus Venezuela, Israel oder Argentinien den Weg zu uns gefunden. Oft sind es ausgewanderte Tschechen. Die Anzahl vertriebener Deutscher und deren Nachkommen mit Wurzeln in der Umgebung hat in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Die Pension ist für mich aber eine angenehme Abwechslung. Ich begegne vielen Leuten. Manche kehren zurück und teilen Sorgen und Schicksale mit mir.Seit 15 Jahren betreibt die Familie bei Böhmisch Krumau auch eine Pension. Foto: privat

Seit 15 Jahren betreibt die Familie bei Böhmisch Krumau auch eine Pension. Foto: privat

LE Wird Ihr Gut durch Bodenspekulation bedroht?

Der Verkauf des Grundes und Bodens der vertriebenen Deutschen ist vorläufig abgeschlossen. Der restliche Boden im Staatsbesitz ist seit 1989 langfristig verpachtet. Die neuen Spekulanten schicken praktisch jede Woche ein Angebot, um den Grund und Boden zu kaufen. Ich halte aber eher die Inhaber für die eigentlichen Spekulanten, da sie mit der staatlichen Subvention im Blick bis zu 6000 Kronen pro Hektar für die Pacht verlangen. Was uns aber vor allem bedrohen kann, ist der Ausfall von Gästen und ein zu niedriger Ankaufspreis für Milch. Und wir denken, die Natur selbst bedroht uns. Die letzten sechs Jahre waren extrem trocken. Das Heu reicht gerade noch so für uns aus und wir können nichts verkaufen. Ein weiteres Problem ist der Wassermangel. Wir haben eigene Quellen und brauchen nur teilweise die öffentliche Wasserversorgung, aber niemand von uns kann unter die Erdoberfläche schauen.

LE Können Sie sich mal einen Ruhestand vorstellen?

Erst wenn meine physischen Kräfte nachlassen. Die Arbeit, die ich ausübe, bringt mir nicht nur mein tägliches Brot, sondern ich halte es für meine Berufung. Die Geburt eines Kalbes, der Tierverkauf und die zufriedenen Gäste bereiten mir Freude.

LE Wie packen Ihre Söhne mit an?

Mein Sohn Vojtěch ist Bauer mit Leib und Seele. Er widmet sich sowohl den Tieren, als auch seinen zwei Mitarbeitern. Er versteht es sehr gut, die Arbeit und den Einsatz der Technik zu planen. Der ältere Sohn Tomáš ist Agronom und wurde zum Vorsitzenden der landwirtschaftlichen Genossenschaft Podkleťan in Krems (Křemže) gewählt. Auch er widmet sich der Landwirtschaft, auch wenn er nicht im Schlepper sitzt. Bei der Führung in der Landwirtschaft darf man nicht nur auf die Leistung achten, sondern muss auch mit Gefühl mit den Mitarbeitern umgehen. Es ist für mich eine Ehre, eine Bäuerin zu sein und in die Fußstapfen meiner Großeltern zu treten. Ich glaube, dass auch meine Söhne diese Botschaft an ihre Kinder weitergeben.

Das Gespräch führte Richard Neugebauer