Eine Ausstellung erzählt die wechselvolle Geschichte der diplomatischen Beziehungen zwischen der Tschechischen Republik und der Bundesrepublik.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Machtverhältnisse in Europa umgekrempelt. Doch genau das bot auch eine Chance auf einen neuen Beginn. Einen Neuanfang machten auch die nunmehr selbständige Tschechoslowakei und Deutschland. Am 28. Oktober 1918 wurde der tschechoslowakische Staat begründet und damit seine Unabhängigkeit vom habsburgischem Haus manifestiert. Wenig später am 09. November 1918 wurde die deutsche Republik durch die SPD und den Spartakusbund ausgerufen.

Es dauerte nicht lange und es kam zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen durch Deutschland und die Tschechoslowakei. Vier Tage nach der Unabhängigkeitserklärung im Oktober 1918 erkannte der deutsche Generalkonsul in Prag, Fritz von Gebsattel, als erster ausländischer Diplomat den neuen Staat an.

Für Spannungen sorgte die deutschsprachige Minderheit in der Tschechoslowakei. Das hatte unweigerlich auch Folgen im deutsch-tschechoslowakischem Verhältnis, die zunächst noch nicht eskalierten. Eine kurzfristige, wenn auch einseitige Klärung der Frage gab es durch das Münchener Abkommen von 1938, ein Teil der gescheiterten Appeasement-Politik Großbritanniens gegenüber Hitler. Doch für Deutschland war die Übernahme der Sudeten nur der erste Schritt. Mitte März 1939 marschierte die Wehrmacht in Tschechien ein. Zuvor wurden slowakische Politiker dazu gedrängt die Unabhängigkeit der Slowakei von Tschechien zu erklären. Durch den Einmarsch und die Verbrechen der Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkrieges erfuhr das Vertrauensverhältnis der Tschechen zu Deutschland einen harten Bruch.

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Nach den Kriegsjahren setzten die diplomatischen Beziehungen wieder ein. Aber die angespannte Lage durch die Vertreibung der Sudetendeutschen, den Kalten Krieg und die Existenz der beiden deutschen Staaten lassen sich mit der heutigen politischen Situation nicht vergleichen. Einen zweiten Neuanfang gab es für das deutsch-tschechische Verhältnis 1993, als Tschechien und die Slowakei sich in zwei unabhängige Demokratien trennten und Deutschland wiedervereinigt war. Auch damals war die diplomatische Arbeit nicht einfach. Der große Streitpunkt waren die Sudetendeutschen. Auch wenn anders als von den Sudetendeutschen gefordert die Benesch-Dekrete nicht abgeschafft wurden, gibt es dank der Deutsch-Tschechischen Erklärung von 1998 und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds eine intensive Zusammenarbeit in vielen Bereichen.

In Zusammenarbeit des tschechischen Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Tschechischen Republik und des Historischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften entstand aus Anlass des 100. Jahrestages der Gründung der Tschechoslowakei und des 25. Jahrestages der Tschechischen Republik die Wanderausstellung mit dem Titel „Diplomatie zwischen Prag und Berlin – ein doppelter Anfang 1918/1993“. Sie dokumentiert die deutsch-tschechische Diplomatiegeschichte und beleuchtet dabei viele unbekannte Kapitel. Ihr Fokus liegt auf den Meilensteinen der Diplomatie kurz nach 1918 und 1993. Noch bis zum 14. Mai ist die Ausstellung in der Stadthalle von Deggendorf zu sehen, dann zieht sie weiter nach Hartmanitz (Hartmanice) in den Böhmerwald, wo sie bis 30. Juni in der Bergsynagoge zu besichtigen ist. Voraussichtlich im Juli wechselt die Ausstellung nach Pilsen (Plzeň). Weitere Stationen im Herbst sind Schüttenhofen (Sušice), Winterberg (Vimperk), Aussig (Ústí nad Labem) und voraussichtlich Reichenberg (Liberec). 

Interessenten, die die Ausstellung zeigen wollen, können sich gern per Mail (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) bei der Deutschen Botschaft in Prag melden.


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