Lediglich die Bezirke Aussig und Mährisch-Schlesien bleiben von der Warnung verschont. Pendler haben Ausnahmen.

Die Bundesregierung hat weite Teile Tschechiens zum Risikogebiet erklärt, aber nicht das ganze Land. Mit dem Bezirk Aussig und dem Mährisch-Schlesischen Bezirk bleiben zwei Regionen risikofrei. Zuvor hatten tschechische Medien noch gemeldet, ganz Tschechien solle zum Risikogebiet erklärt werden. Bisher galt diese Einstufung nur für Prag und den Bezirk Mittelböhmen.

Das bedeutet, dass für Reisen aus großen Teilen Tschechiens nun eine zweiwöchige Quarantäne eingehalten werden muss. Diese kann man durch die Vorlage eines maximal 48 Stunden alten SARS-CoV-2-Negativ-Tests umgehen. In den ersten zehn Tagen nach der Einreise ist dieser Test kostenlos. Einreisende nach Deutschland sind zudem verpflichtet, sich umgehend beim zuständigen Gesundheitsamt zu melden. Dies gilt bereits für all jene, die in den vergangenen 14 Tagen aus Tschechien eingereist sind.

Ausnahmen von diesen Verpflichtungen lassen die Quarantäne-Verordnungen in Bayern und Sachsen unter anderem für Mitarbeiter im internationalen Güterverkehr, Diplomaten und Grenzpendler zu. Die sächsische Verordnung nennt zudem zwingend notwendige und unaufschiebbare Reisen aus beruflichen, medizinischen und sozialen Gründen. Bayern wird da konkreter und gestattet Reisen aus Gründen des gemeinsamen Sorgerechts oder für Paare, die nicht gemeinsam unter einem Dach wohnen.

Die Grenze bleibt offen

Die Entscheidung des RKI bedeutet aber keine Grenzschließung wie noch im März. Auch werde allein wegen Corona an der Grenze zu Tschechien nicht verstärkt kontrolliert. „Änderungen im Grenzregime durch die Bundespolizei sind nicht beabsichtigt“, teilte Axel Bernhardt von der Bundespolizeidirektion Pirna mit. Kontrollen führt die Polizei im „Rahmen ihrer originären Aufgabenzuständigkeit“ dennoch durch, und das sowohl in internationalen Zügen als auch an Straßen im Grenzgebiet. „Sollten dabei Anzeichen auf eine Erkrankung eines Reisenden vorliegen, würden die zuständigen Behörden in Kenntnis gesetzt und Folgemaßnahmen veranlasst“, so Bernhardt weiter.

Die Einstufung Tschechiens als Risikogebiet hatte sich angedeutet. Nachdem Prag schon vor zwei Wochen zum Risikogebiet erklärt worden war, begannen die Fallzahlen auch in den anderen Landesteilen zu steigen. Am Dienstag wurde mit 2394 neu Infizierten der zweithöchste Wert überhaupt erreicht.

Zu weit gehende Lockerung

Experten machen für den rasanten Anstieg zwei Faktoren verantwortlich: Die inzwischen konsequente Nachverfolgung der Kontakte von Infizierten sowie eine zu weit gehende Lockerung. Am stärksten breitete sich das Virus in Schulen, Kindergärten, Sportklubs sowie auf Feiern und in Restaurants aus. Einige Schulen und Kindergärten mussten bereits schließen. Aber auch Großveranstaltungen taten ihr übriges.

Spät, aber womöglich nicht zu spät hat die Regierung nun reagiert. Seit Montag arbeitet wieder der zentrale Krisenstab. Am Montag sorgte Gesundheitsminister Adam Vojtěch mit seinem Rücktritt für einen Paukenschlag. Der junge Minister war zwar beliebt, aber offenbar nicht durchsetzungsfähig genug. Ab Anfang September wollte er wieder eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und beim Einkaufen einführen, musste dann aber nach Intervention von Premierminister Andrej Babiš zurückrudern.

Alter Bekannter wird Minister

Der neue Mann im Gesundheitsressort ist ein alter Bekannter. Roman Prymula diente zu Beginn der Pandemie noch als Staatssekretär. Kurzzeitig auch Chef des Krisenstabes schwadronierte der Epidemiologe zwischenzeitlich von einer Grenzschließung von über einem Jahr.

Kaum im Amt, hat er neue Maßnahmen verhängt. So müssen Restaurants und Bars schon 22 Uhr schließen als bisher 24 Uhr. Die Besucherzahlen auf Veranstaltungen werden gesenkt. Bei Sportveranstaltungen im Freien dürfen maximal 2000 Menschen dabei sein, in Innenräumen bis zu 1000. Weitere Veranstaltungen mit Stehplätzen dürfen außen nicht mehr als 50 und in Gebäuden nicht mehr als 10 Gäste haben. Noch unter seinem Vorgänger wurde die Maskenpflicht ausgedehnt. Sie gilt nun auch für weiterführende Schulen, wo die Maske sogar im Unterricht Pflicht ist.

Einen Notstand, der der Regierung weitreichende Befugnisse einräumen würde, hält der neue Gesundheitsminister Prymula derzeit nicht für nötig, schloss aber auch nicht aus, dass es „in ein bis zwei Wochen“ dazu kommen könnte. In genau zwei Wochen sind Regionalwahlen, bei denen der ANO-Partei von Premierminister Andrej Babiš Verluste drohen. Beobachter meinen, dass der Premier bis dahin harte Maßnahmen möglichst verhindern will.

Die täglich steigenden Fallzahlen und die erste deutsche Reisewarnung für Prag und Mittelböhmen haben bereits Folgen gezeigt. Deutsche Touristen haben sich aus Prag zurückgezogen. Auch im Grenzgebiet sind sichtbar weniger Deutsche unterwegs als noch vor einer Woche.