Trinkfreudige junge Dänen bislang in Prag mit einem blauem Auge davon gekommen

Foto: Regal mit Bierseideln - Bild: LandesEcho/tra

Sie sind wieder da: Hunderte junge Dänen, die ihre Ferien mittlerweile schon traditionsgemäß in der tschechischen Hauptstadt Prag verleben. In den vergangenen zwei Jahren gab es immer mal Ärger mit einigen von ihnen, weil sie ein paar Glas Bier zuviel tranken und danach nicht mehr ganz Herr ihrer Sinne gewesen waren. Da zerlegten sie auch schon mal das eine oder andere Hotelzimmer oder feierten überlaut in den Straßen der Moldaustadt.

 

 

 

In diesem Jahr haben sich zu den Dänen auch junge Schweden gesellt. Und die treiben es nach ersten Eindrücken der Polizei noch schlimmer. Nach einem Zeitungsbericht vom Dienstag nahmen sie alle möglichen Bars und Bierkneipen im Zentrum ein und füllten sich ordentlich ab. Polizeisprecher Tomáš Hulan sagte dem Blatt: „Wir haben in den Kneipen 96 skandinavische Jugendliche kontrolliert. 12 von denen standen unter Alkoholeinfluss." Ein 18-jähriger Schwede sei so betrunken gewesen, dass man zunächst den medizinischen Rettungsdienst zur Hilfe rufen musste, der den Burschen anschließend in eine Ausnüchterungszelle der Polizei verfrachtete.

Zu nächtlicher Stunde musste die Polizei zudem eine Schlägerei beenden, bei der ein dänischer Jugendlicher von drei gleichaltrigen Schweden ein blaues Auge verpasst bekommen hatte. Alle vier landeten zum Verhör in der Polizeistation. Es stellte sich heraus, dass alle vier erst am Nachmittag angereist waren und sich schnurstracks auf die Suche nach Trinkbarem gemacht hatten. Da bei der Schlägerei auch noch etwas zu Bruch ging, müssen die vier Jugendlichen jetzt mit einer Anzeige leben.

Die Polizei hat wie in den Jahren davor eine Sondereinheit gebildet, der drei Dutzend Beamte angehören. Zudem wurde eine motorisierte Polizeistaffel extra für die skandinavischen Gäste in Bereitschaft versetzt. Helfend zur Seite stehen den tschechischen Polizisten auch drei Beamte aus Dänemark, die auch schon im vergangenen Jahr ihren Prager Kollegen halfen.

Eine namhafte Prager Zeitung, die „Hospodářské noviny", warnte am Dienstag in einem langen Kommentar davor, die Gäste aus Dänemark und Schweden in Bausch und Bogen zu verdammen. Prag müsse für jeden Touristen dankbar sein. Und die jungen Leute aus dem Norden des Kontinents zahlten immerhin ihre Zeche. Dass bei ihrem Aufenthalt auch mal etwas zu Bruch gehe, falle in der umfangreichen Prager Kriminalstatistik überhaupt nicht auf. 

Wenn das Bier in Dänemark so billig wäre wie in Prag, dann würden sich tschechische Jugendliche in Kopenhagen volllaufen lassen, schrieb das Blatt weiter: „Man ärgert sich über Bilder von Prager Hotelzimmern, die von Dänen verwüstet wurden. Doch wie sehen unsere Kneipen nach einer der bei uns üblichen Schlägereien aus? ... Wir Tschechen sind Weltmeister im Betrinken und sauer, wenn trinkende Touristen zu uns kommen. Heuchelei ist dafür ein schwacher Begriff. Offensichtlich müssen wir mit Fingern immer auf andere zeigen, damit wir uns besser fühlen."

Ob diese Ermahnung hilft, die tschechischen Gemüter zu beruhigen, muss abgewartet werden. Aber eigentlich ist das Ganze auch mehr ein Thema der Medien. Die trinkfesten Prager grinsen eher über die Jugendlichen aus Skandinavien. Sie kennen ihre „Pappenheimer", sprich ihre eigenen Jugendlichen.  Nach einer jüngst veröffentlichten Studie der EU betrinkt sich ein Viertel der tschechischen Burschen mindestens dreimal im Monat. Bei den jungen Mädchen liegt diese Zahl immerhin auch bei 16,6 Prozent. Damit sind die tschechischen Jugendlichen der Statistik nach deutlich „schlimmer" als die gleichaltrigen Dänen.