Hürden auf der Zielgeraden

Foto: Bierstube der Ausstellung des Collegium Bohemicum mit Blanka Mouralová und Jan Šicha

Das geplante Museum der Deutschen in Aussig (Ústí nad Labem) ist von mehreren Seiten unter Druck geraten.

Dunkle Wolken zogen sich in den letzten Sommertagen über dem geplanten Museum der deutschsprachigen Bewohner der böhmischen Länder zusammen, das in Aussig entsteht. Nur knapp überlebte Blanka Mouralová, die Direktorin des Collegium Bohemicum, dem Träger des Museums, einen Putschversuch.

 

 

 Dahinter identifizierte Mouralová in einem Interview mit dem Server DVTV „ein paar Leute, die nicht mit dem modernen, europäischen Konzept der Exposition vertraut sind. Allen voran, so Mouralová, der ehemalige Berater von Václav Klaus, Jaroslav Kuba. Das Ganze sei ein „destruktiver Versuch“ das Museumsprojekt auf der Zielgeraden zu kippen, meint Mouralová. Verfassungsexperte Kuba sitzt als Vertreter der Aussiger Universität im Aufsichtsrat des Collegium Bohemicum. Aus „ideologischen Gründen“ wolle Kuba Blanka Mouralová stürzen, zitiert die Tageszeitung MF Dnes einen Mitarbeiter des tschechischen Außenministeriums, der dem Museumsprojekt nahesteht. Kuba sei die Ausstellung über die Deutschen zu „untschechisch“. „Uns geht es eben nicht darum, mit der Ausstellung den alten Kampf aufleben zu lassen, ob nun Deutsche oder Tschechen als die Guten aus der gemeinsamen Geschichte herausgehen. Sondern darum, die inspirativen Punkte des Zusammenlebens zu betonen“, sagt Mouralová.

Jaroslav Kuba selbst bestreitet, als Aufsichtsratsmitglied des Collegium Bohemicum Einfluss auf die

Ausrichtung des Museums zu haben. In den anstehenden Senatswahlen kandidiert er als unabhängiger Kandidat für die Partei NE Bruselu (Nein zu Brüssel). Diese Gruppierung um den tschechischen Nationalisten und Antisemiten Adam B. Bartoš ist bekannt für ihren pro-russischen, antieuropäischen Kurs.

Leere Versprechungen?

Während Blanka Mouralová weitere Umsturzversuche nicht ganz ausschließen will, muss sie noch

an einer zweiten Front um das Museum kämpfen, das in Nordböhmen ein so explosives Thema darstellt. Noch immer ist die Finanzierung des Museums nicht geklärt. Zwar haben allein die Pläne für

das Museum geholfen, EU-Gelder in Millionenhöhe für die Renovierung des Aussiger Stadtmuseums in der ehemaligen Knabenschule zu sichern, in dem die deutschböhmische Dauerausstellung beheimatet sein soll. Zwar beteuern verschiedene Regierungen seit Jahren, die Ausstellung mit einer Summe von 50 Millionen Kronen zu finanzieren. Doch bislang ist vom Geld noch keine Spur. Das Kulturministerium hat immerhin beantragt, seinen Haushalt um die erforderliche Summe zu erhöhen. Ob der Antrag bei den ausstehenden Budgetverhandlungen aber auf Gehör treffen wird, steht noch in den Sternen. „Die Ausstellung ist bis auf das Letzte vorbereitet. Sie muss nur noch architektonisch umgesetzt werden, die Pläne dazu liegen schon bereit“, erklärt Mouralová. Langsam droht ihr und ihren Mitarbeitern im Collegium Bohemicum aber die Luft auszugehen. Sollte die Regierung Sobotka die notwenigen Gelder nicht locker machen, dann ist es möglich, dass die Gesellschaft aufgelöst und eine alternative Lösung gefunden wird“, sagt Mouralová.

Das wäre allerdings eine internationale Blamage. Denn in Deutschland und Österreich gilt das Museum schon jetzt als tschechisches Prestigeprojekt.

Weitere Informationen zum Collegium Bohemicum finden Sie auf den offiziellen Seiten: hier.

 

Dieser Artikel erschien in der LandesZeitung 17/18 2014.