„Ein guter Lehrer ist besser als zwei Bücher“

Ausgezeichnetes Engagement - Foto: LZ/jbr

 Eine kleine grammatikalische Nachlässigkeit erlaubte sich Berthold Franke, Leiter des Prager Goethe-Instituts, dann doch. Frei nach dem berühmten Spruch des deutschen Fußballspielers und –trainers Alfred Preißler erklärte er am vergangenen Dienstag: „Entscheidend ist im Unterricht!“, und meinte damit die sieben Deutschlehrer, die in der Deutschen Botschaft vom Botschaftsgesandten Robert Klinke, dem österreichischen Botschafter Ferdinand Trauttmansdorff, dem tschechischen Vizebildungsminister Jindřich Fryč und eben Berthold Franke mit dem Deutschlehrerpreis ausgezeichnet wurden.

 

 

Der von der Kampagne „šprechtíme“ initiierte Preis zeichnet Lehrer aus, die sich in besonders kreativer Weise für die Lehre und Verbreitung der deutschen Sprache in Tschechien einsetzen. Diesen Lehrern Anerkennung entgegenzubringen, ist nach übereinstimmender Meinung der Preisverleiher besonders wichtig, denn, so Klinke: „Ein guter Lehrer ist besser als zwei Bücher“. Franke sieht das genau so: Zwar sei Tschechien mit der Etablierung einer zweiten Fremdsprache als Pflichtfach sehr progressiv, doch ohne den Einsatz der Lehrer im Unterricht könnten Kampagnen, Gespräche und Sponsoren nur wenig zur Förderung der deutschen Sprache beitragen. Entscheidend sei eben „im Unterricht“. Für Botschafter Trauttmansdorff ist die Tatsache, dass der Deutschlehrerpreis von privaten Institutenund Firmen finanziert wird, ein eindeutiger Beweis, dass auch die Wirtschaft Interesse an Schulabsolventen mit Deutschkenntnissen hat. Er dankte Vizeminister Fryč, der sich seit Jahren für die Deutschförderung im tschechischen Schulsystem stark macht.

Marie Müllerová vom Tschechischen Germanisten- und Deutschlehrerverband und Mitglied der Jury, zeigte sich begeistert von den Projekten der Deutschlehrer. Wichtig sei, etwas Neues und Motivierendes zu machen, was die Schüler noch nicht kennen und wodurch sie für die Sprache begeistert würden. An kreativen Ideen mangelt es nicht, wie die Preisträger beweisen:

Den 1. Preis in der Kategorie Grundschule gewann Lucie Čechová aus Leitmeritz (Litoměřice) mit ihrem Projekt „Rasende Schüler“, inspiriert durch den „Rasenden Reporter“ Egon Erwin Kisch. Sie hatte unter anderem den Sprachunterricht mit anderen Disziplinen verbunden, zum Beispiel Landeskunde, und mit den Schülern ein Brettspiel entwickelt. Besonders gefiel der Jury, dass es sich nicht nur um ein Projekt handelte, sondern um viele kleine, über das Schuljahr verteilte Aktionen.

Mit derselben Begründung wurde auch Hana Kubálková aus Pilsen (Plzeň) für ihr Projekt „Heraus mit der Sprache!“ mit dem ersten Preis in der Kategorie Mittelschule/Gymnasium geehrt. Sie hatte einen Weg gesucht, das schwindende Interesse der Schüler für Deutsch wieder zu entfachen – mit Erfolg: Seit fünf Jahren besteht eine Partnerschaft mit einer Schule in Jena, die Schüler können Austausche machen oder Praktika in Deutschland absolvieren. Darüber hinaus gab es weitere kleine Schülerprojekte, zum Beispiel zu historischen Themen.

Einen Sonderpreis erhielt Kateřina Kozáková aus Niemes (Mimoň) für ihre „Projektwoche gegen rechts: Demokratie will gelernt sein!“. Gemeinsam mit Partnerschulen aus Leipzig und Bayreuth hatte sie für 120 Schüler eine Projektwoche im oberfränkischen Wunsiedel organisiert. Dort gab es Workshops zum Thema „Wie erkenne ich rechtsextremistische Musik und Kleidung?“, aber auch zum Deutschen Widerstand gegen das NS-Regime „Ich wollte das Bild, das viele von den Deutschen unter Hitler haben – das waren alle Nazis – etwas ausgleichen und beide Seiten zeigen“, erklärte die Preisträgerin ihre Idee.

Außerdem wurden in der Kategorie Grundschule Jitka Boučková aus Prag und Hana Vošahlíková aus Chyšky geehrt, die weiteren Preise für Mittelschule/Gymnasium gingen an Ludmila Divišková aus Mährisch Schönberg (Šumperk) und Vladimír Matička aus Warnsdorf(Varnsdorf). Auch hier war die Jury begeistert von den Projektwochen, Begegnungen von Jung und Alt oder Filmdrehs, die die Lehrer organisiert hatten.

Nur ein Problem sei bei ihrer Schulaktion aufgekommen, erzählte Sonderpreisträgerin Kateřina Kozáková: Es sei nicht immer leicht, deutsche Partnerschulen zu finden, da diese eher nach Kooperationen mit Italien oder Frankreich suchen. Angesichts der Vielfalt an Ideen, die tschechische Deutschlehrer mitbringen, kann man vielleicht dennoch hoffen, dass das Interesse an einer deutsch-tschechischen Partnerschaft wächst.