Aktuelle Seite: StartseiteGesellschaftDer Druck wächst

Nach der Sintflut

Das zweite Hochwasser in elf Jahren zeigt: Nach der Flut ist vor der Flut.

Prag ist mit einem blauen Auge davon gekommen, flussabwärts von Moldau und Elbe hat es viele schlimmer getroffen: Zum zweiten Mal innerhalb von elf Jahren hat das Wasser seine Kraft gezeigt und Menschen entlang der Flüsse erneut vieles, manchen alles genommen. Zur Hochwasserbilanz gehören nicht nur die Toten und Vermissten. Auch nicht die Schäden, die schwer fassbare Summen in Milliardenhöhe ausmachen.

Leid ist immer persönlich. Da sind die Menschen in Zálezlice, deren Dorf 2002 zum Symbol des Untergangs geworden war. Ihr Deich ist nicht rechtzeitig fertig geworden vor der neuen Flut. Manche überlegen, für immer wegzugehen. Da sind die 40 Kinder der Grundschule in Křešice (Kreschitz), die nicht wissen, ob sie nach den Ferien nicht aufgeteilt werden auf andere Schulen in der Umgebung. Die Direktorin fürchtet, dass die Schulbehörde das Haus jetzt schließen könnte, das nach 2002 auch mit Hilfsgeldern aus dem damals ebenso überfluteten Sachsen wieder hergerichtet werden konnte. Nicht zu reden von den Einwohnern von Hřensko (Herrnskretschen). Der Bürgermeister dort weiß, dass es am Zusammenfluss von Kamnitz und Elbe nie einen Schutz geben wird. „Man wird immer ein Spielball der Naturgewalten bleiben“, sagt er resigniert.

Viel Geld war nach 2002 in den Hochwasserschutz geflossen. Nicht überall hat es geholfen. In Křešice hat man sich zum Beispiel eine 200 Millionen teure Wand gebaut, die am Ende nicht hoch genug war. Es gibt mehrere solcher Beispiele.

„Tadellos“Nicht alle Bewohner Prags fürchten die Fluten Foto: Eugen Kukla

Besonders heiß ist in den Tagen der Flut wieder über den Sinn und Unsinn der Moldau-Kaskaden gestritten worden. Bürgermeister von Orten hinter Prag beschwerten sich, ein Opfer der Kaskaden geworden zu sein, die vor allem der Rettung Prags gedient hatten. Die Regierung wies das als Unsinn zurück. Aussage steht gegen Aussage. Schützenhilfe bekam die Prager Regierung aus Sachsen. „Die Zusammenarbeit mit Tschechien hat tadellos funktioniert“, ließ man dort verlauten.

Auf die gute Zusammenarbeit ist Sachsen angewiesen. Denn Wasser macht nicht vor der Grenze halt. Und 80 Prozent des Wassers im Einzugsgebiet der Elbe in Deutschland kommen nun einmal aus Tschechien. Gemeinsam werden Sachsen, Tschechien und auch Bayern bei der EU um Hilfsgelder bitten. Sie sollten auch in Hochwasserschutz angelegt werden. In Sachsen hatte man nach dem verheerenden Hochwasser von 2002 mehr als 300 Projekte zum Hochwasserschutz beschlossen. Nicht einmal ein Viertel davon ist umgesetzt worden. In Tschechien geraten Gelder aus Brüssel schnell in den Verdacht, lediglich Anreiz zur Veruntreuung zu bieten. Vermutlich wird man in diesem Fall solche aberwitzigen „Argumente“ nicht hören. Sie helfen auch nicht weiter. Schon gar nicht denen, die die Flut einmal mehr getroffen hat.

Die nächste Flut übrigens kommt bestimmt. Und das hat nichts mit Wetter zu tun, sondern mit dem Wandel des Klimas, wie sich ernst zu nehmende Experten in den Tagen des Hochwassers einig waren. Von selbst ernannten Klima-Fachleuten wie Václav Klaus, die das sonst alles als Humbug bezeichnen, hörte man in diesen Tagen übrigens kein Wort. Das gehörte zu dem wenig Positiven inmitten der Sintflut.

Der Autor ist Tschechien-Korrespondent der Tageszeitung "Die Welt".

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Sommercamp 2016

Zitat des Tages

Hugo von Hofmannsthal
Hugo von Hofmannsthal: „Sie sind ernsthaft, sie sind tüchtig, sie arbeiten wie keine Nation auf der Welt, sie erreichen das Unglaubliche - aber es ist keine Freude, unter ihnen zu leben.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Manager des Jahres / Manažer roku

svaz prumyslu

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.