Die tschechische Regierung greift zur nächsten radikalen Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus und stellt das ganze Land unter Quarantäne.

Bereits am Sonntagmittag kündigte Premierminister Andrej Babiš (ANO) im tschechischen Fernsehen an, bei der heutigen Sondersitzung der Regierung eine landesweite Quarantäne vorzuschlagen und rief die Tschechen dazu auf, sich möglichst nicht mehr draußen aufzuhalten. "Die Leute sollen nur noch von zuhause zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause gehen", erklärte Babiš seine Vorstellung von der landesweiten Quarantäne. Am späten Sonntagabend verkündete die tschechische Regierung die neue Maßnahme offiziell während einer Pressekonferenz. Die landesweite Quarantäne gilt ab Montag 0.00 Uhr bis 24. März 6.00 Uhr morgens und bedeutet, dass nur noch der Weg zur Arbeit, zum Einkauf von Lebens- oder Arzneimitteln, und medizinischen Einrichtungen erlaubt ist. Ausnahmen gibt es auch für andere mit der Arbeit im Zusammenhang stehende Wege sowie für Besuche von Verwandten und nahen Angehörigen. "Wir versuchen, zwischenmenschliche Kontakte maximal einzuschränken", begründete Vizepremier- und Innenminister Jan Hamáček (ČSSD) die Entscheidung zu dieser drastischen Maßnahme. Die Quarantänemaßnahme bedeute laut Hamáček weder ein generelles Ausgangsverbot noch Hausarrest. Wer die Quarantäne jedoch missachtet, müsse mit einer Geldstrafe von bis zu drei Millionen Tschechischen Kronen (etwa 117 000 Euro) rechnen.

Die landesweite Quarantäne ist die neuste in einer Reihe von vergleichsweise radikalen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus in Tschechien. Ab Montag gilt ein generelles Einreiseverbot für alle Ausländer ohne ständigen Wohnsitz in der Tschechischen Republik, Tschechen dürfen das Land nicht mehr verlassen. Seit Samstag haben alle Geschäfte und Restaurants außer Supermärkten, Tankstellen, Apotheken, Kiosken und Imbissen geschlossen. Kulturelles Leben findet nicht mehr statt. Nachdem die tschechische Regierung vergangenen Donnerstag den nationalen Notstand ausrief, galt seit Freitag ein Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 30 Personen und schon seit Mittwoch haben Schulen und Universitäten geschlossen. Im Vergleich zu Deutschland ist die Zahl bekannter Infektionen mit dem Coronavirus relativ gering, momentan sind es in ganz Tschechien 344 Fälle (Stand: 16. März, 18.00 Uhr), doch die Zahl steigt stündlich an.

Keine Beschränkung des öffentlichen Nahverkehrs

Die Quarantäne bedeute allerdings keine Beschränkung des öffentlichen Nah- und Regionalverkehrs. Im Gegenteil solle dieser sogar verstärkt werden, um eine hohe Konzentration von Menschen auf engem Raum und damit eine erhöhte Ansteckungsgefahr zu vermeiden: „Wir werden die Verkehrsmittel desinfizieren“, kündigte Babiš an. Außerdem forderte Babiš, dass Backwaren nur noch abgepackt verkauft, Einkaufswagen und -Körbe desinfiziert sowie jegliche Besuche und soziale Kontakte nach Möglichkeit vermieden werden.

Spätere Abgabe der Steuererklärung

Finanzministerin Alena Schillerová (ANO) kündigte des Weiteren eine Verschiebung der Abgabefrist für die Steuererklärung an. Statt bis zum 1. April könne diese auch bis zu drei Monate später eingereicht werden, ohne dass mit Strafen gerechnet werden müsse. Außerdem sollen die Regionen einschließlich Prags Einrichtungen schaffen, in die Polizisten und Beschäftigte im Gesundheitswesen ihre Kinder im Alter zwischen drei und zehn Jahren zur Betreuung geben können. Die tschechische Arbeits- und Sozialministerin Jana Maláčová (ČSSD) möchte am heutigen Montag den Vorschlag einbringen, auch die häusliche Kinderbetreuung für Arbeitnehmer für die komplette Zeit der Schulschließung zu ermöglichen.

Rausgehen nur noch mit Mundschutz

Am Montag rief der tschechische Innenminister Jan Hamáček mit einem Video in seinem Twitterprofil die Bürger dazu auf, beim Einkaufen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln einen Mundschutz zu tragen, dieser könne auch improvisiert sein, etwa mit einem Schal oder Halstuch. In Tschechien gibt es noch immer zu wenige Schutzmasken. Auch Gesundheitsminister Adam Vojtěch meldete sich auf Twitter dazu: "Wir tun unser Bestes, um die Versorgung mit Schutzmasken sicherzustellen. Gerade haben wir einige Millionen Stück bestellt. Aber auch zuhause haben wir einen wirksamen Schutz, mit einem Schal schützen Sie sich und ihre Umgebung." Außerdem rief er dazu auf, Gegenstände in der Öffentlichkeit am besten nur mit Handschuhen zu berühren.