Neue Verdachtsfälle, Reisewarnungen und erste Hamsterkäufe. Die tschechische Regierung verschärft die Maßnahmen. Auch wenn es bislang keinen Infizierten durch das Coronavirus gibt, ist es in Tschechien inzwischen angekommen.

Bereits seit 9. Februar gibt es zwischen Tschechien und China, wo das neuartige Coronavirus zum ersten Mal auftrat, keinen Flugverkehr mehr. Kurz zuvor hatte das tschechische Außenministerium die Vergabe von Visa an chinesische Staatsbürger gestoppt. Die Lage in Tschechien blieb jedoch ruhig, bislang konnte bei keinem der bisher über hundert Verdachtsfälle das neuartige Virus nachgewiesen werden.

Auch neue Verdachtsfälle bestätigen sich nicht

In Brünn (Brno) befand sich am Mittwoch ein Mann mit Verdacht auf das Coronavirus im Fakultätskrankenhaus. Dieser hatte sich in den letzten Tagen in Norditalien aufgehalten. Am späten Mittwochabend wurde jedoch bekannt, dass das Coronavirus bei dem Mann nicht nachgewiesen werden konnte. Auch ein Verdachtsfall bei einem 17-jährigen Jungen im Prager Krankenhaus Na Bulovce bestätigte sich nicht. Ebenfalls hatte er sich in Italien aufgehalten.

Nachdem das Virus nun aber in Norditalien und einer Reihe weiterer europäischer Länder aufgetreten ist, zeigt sich die tschechische Regierung zunehmend besorgt, dass das Virus auch in Tschechien auftreten könnte. „Norditalien liegt geographisch nah, und viele Tschechen fahren gerade jetzt in den Skiferien dort hin. Aus diesem Grund ist die Lage etwas ernster. Darauf müssen wir uns einstellen und auch auf eine mögliche Krisensituation“, sagte der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) auf einer Pressekonferenz am vergangenen Montag.

Reisewarnung nach Italien

Der tschechische Außenminister, Tomáš Petříček (Sozialdemokraten), sprach am Montag zudem eine Reisewarnung in die vom Coronavirus stark betroffenen Gebiete in Italien aus. Flugreisende aus Italien werden seit der Nacht zu Dienstag am Václav-Havel-Flughafen einem speziellen Screening unterzogen. Dazu wurden Ankunftsterminals mit erhöhten Hygienebestimmungen eingerichtet.

Die Tschechische Bahn (České dráhy) gab am Mittwochnachmittag per Twitter bekannt, dass Zugtickets nach Italien in den internationalen Reisezentren an den Bahnhöfen erstattet werden können.

Heute tritt in Prag eine epidemiologische Kommission zusammen, die sich mit weiteren Maßnahmen beschäftigen wird. Außerdem ordnete Gesundheitsminister Vojtech an, dass Kliniken einen Sicherheitsvorrat an Schutzmasken für vier Monate anlegen müssen. Einer der größten tschechischen Hersteller von Schutzmasken, Batist Medical, möchte seine Produktion nun verdoppeln, wie nach einem dortigen Besuch von Ministerpräsident Andrej Babiš (ANO) am Mitwoch bekannt wurde. Laut Angaben Vojtechs gibt es in der Tschechischen Republik etwa tausend Betten mit Infektionsstationen. Das Prager Bulovka-Krankenhaus sei auf exotische Infektionen spezialisiert.

Das tschechische Gesundheitsministerium hält auf seiner Webseite aktuelle Informationen zum Corononavirus und dem Vorgehen bei Verdachtsfällen bereit.

Tschechen decken sich mit Lebensmitteln ein

Die Angst vor einer möglichen Epidemie in Tschechien – ähnlich der in Norditalien – treibt tschechische Bürger zunehmend in Supermärkte, um sich mit einem Vorrat an Trinkwasser und Lebensmitteln, vor allem Konserven, einzudecken. In einigen Prager Supermärkten sind bereits ganze Regale leergekauft worden. Auch Online-Shops spüren eine deutliche gestiegene Nachfrage. „Es besteht Interesse an langlebigen Gütern und Mineralwasser. Der Wert des Kaufs und sein Gewicht steigen erheblich“, beschrieb der Direktor des E-Shops Košík.cz, Tomáš Jeřábek, gegenüber dem Nachrichtenportal iDNES.cz. Ihm zufolge sei die Nachfrage sogar höher als zu Weihnachten.