Seit Herbst 2018 rollen die grün-schwarz-weißen Roller des E-Scooter-Anbieters Lime durch die Straßen Prags, sie gehören mittlerweile zum alltäglichen Stadtbild. 1500 E-Roller betreibt die Firma in der tschechischen Hauptstadt. Aus Prager Fußgängerzonen könnten sie aber vielleicht bald verschwinden.

Es geht ganz einfach: Per App scannt man den auf den Rollern angebrachten QR-Code und schon beginnt die Fahrt ins moderne Zeitalter der Elektromobilität. Für die Freischaltung eines Rollers werden 25 Tschechische Kronen (etwa ein Euro) fällig, danach kostet jede angebrochene Minute vier Kronen (ca. 0,16 Euro). Mit den E-Scootern ist man jederzeit mobil, teilweise günstiger und schneller unterwegs als mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Verkehrsmittel mit Konfliktpotenzial

Fahren darf man mit den E-Scootern in Tschechien – wie übrigens auch in Deutschland – überall dort, wo auch Fahrräder fahren dürfen. Viele E-Scooterfahrer nutzen aber trotzdem die Gehwege. Das birgt Konflikte. Gehäuft gingen in letzter Zeit Beschwerden bei der Prager Stadtverwaltung ein: Bürger beschwerten sich über die E-Roller, da sie entweder auf den Gehwegen fahren und dabei Fußgänger gefährden, oder sie stehen und liegen an allen möglichen Orten herum und versperren den Weg. Aber auch Unfälle mit den E-Rollern häuften sich: In Prag wurden nach Angaben des Prager Rettungsdienstes im Jahr 2018 insgesamt 25 Unfälle gemeldet, in die E-Roller verwickelt waren, im ersten Halbjahr 2019 waren es schon 55.

Kommen bald Verbotsschilder?

Die Prager Stadtverwaltung zieht nun Konsequenzen und möchte die Roller am liebsten aus dem Prager Zentrum verbannen. Laut dem Stadtrat von Prag 1 David Skála (Praha Sobě) wurde eine entsprechende Maßnahme mit dem Prager Verkehrsbeauftragten Adam Scheinherr (Praha Sobě) und der Stadtverwaltung besprochen und könnte bereits ab der nächsten touristischen Saison gelten. Laut Skála habe die Stadtverwaltung versucht, mit Lime zu verhandeln, allerdings ergebnislos: „Lime hat keine unserer Anforderungen für einen sicheren und angemessenen Verkehr erfüllt. Nach einem Jahr intensiver Verhandlungen müssen wir den nächsten Schritt unternehmen und wir bereiten eine Beschränkung des Zugangs der Elektro-Roller zum Stadtzentrum vor", sagte er.

Das Problem soll nun gelöst werden, indem bestehenden Verbotsschilder für Zweiräder nun auch für E-Roller gelten, da die Roller rechtlich Rädern gleichgestellt sind. Dabei zeigt sich eine Besonderheit in der tschechischen Verkehrsordnung. Entscheidend ist dabei, ob ein Rad Pedale hat: Räder mit Pedalen dürfen trotz des Zweiradverbots in die Prager Fußgängerzonen fahren, herkömmliche Fahrräder und motorisierte Räder, wie z. B. Pedelecs, sind von dem Verbot also nicht betroffen, da für diese eine Ausnahme gilt. Motorisierte Zweiräder ohne Pedale – worunter die E-Roller streng genommen auch fallen – müssen hingegen der Fußgängerzone fernbleiben. Roller ohne Motor dürften weiterhin auch in den Fußgängerzonen gefahren werden. Wer in Besitz eines eigenen E-Rollers ist, könne aber laut dem Vorschlag des Prager Verkehrsamts eine Ausnahmegenehmigung beantragen. Gegen das Vorhaben kann nun innerhalb von 90 Tagen Widerspruch eingelegt werden. Dass das E-Roller-Verbot wirklich kommt, ist also noch unsicher.

Kritik an E-Rollern auch in Deutschland

In Deutschland sind die E-Roller seit Mitte Juni letzten Jahres zugelassen. Meldungen über Unfälle häuften sich auch dort. Beispielsweise kam es in Nordrhein-Westfalen zwischen Anfang September bis Anfang Dezember zu 59 Unfällen mit E-Scootern, in 13 Fällen mit Schwerverletzten, wie das dortige Innenministerium vor Kurzem bekanntgab. Unfallverursacher sollen in den meisten Fällen die E-Scooterfahrer gewesen sein. Sozialverbände und der Deutsche Städtetag fordern schärfere Regeln.

Nach eigenen Angaben betreibt die Firma Lime E-Scooter in mehr als 120 Städten, in vielen ist sie bereits mit den Kommunen in Konflikt geraten.