Die Einigung zwischen Tschechien und Sachsen soll die Gesundheitsversorgung in dem Grenzgebiet verbessern. Wie die Finanzierung konkret abläuft, muss aber noch geklärt werden.

Der Schluckenauer Zipfel (Šluknovský výběžek) ist eine der nördlichsten Regionen der Tschechischen Republik und aufgrund seiner geografischen Lage zugleich auch einer für die Gesundheitspflege am schlechtesten zugänglichen. Das soll sich nun ändern. Am Mittwoch unterzeichneten die sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch und der Gesundheitsminister der Tschechischen Republik Adam Vojtěch eine „Gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit im Bereich der grenzüberschreitenden Gesundheitspflege“. Der Vertragsunterzeichnung wohnten unter anderem auch Vertreter der sieben in Tschechien tätigen Krankenversicherungen sowie der Krankenkassen in Sachsen bei.

Mit ihrer Unterschrift erklärten die Minister ihre Absicht, die Gesundheitspflege für die Bewohner des Schluckenauer Zipfels sowie der grenznahen Gebiete zu Sachsen besser zugänglich zu machen. Konkret betrifft die Einigung zunächst die Asklepios-Klinik in der sächsischen Grenzstadt Sebnitz. Dorthin ist es für viele Tausend Menschen näher als in die nächsten tschechischen Krankenhäuser in Tetschen (Děčín) und Rumburg (Rumburk). Die ohnehin schwierige Lage hatte sich durch die Insolvenz der städtischen Klinik in Rumburg in den letzten Wochen verschärft. Die Einigung kam dementsprechend in Rekordzeit von nur vier Wochen zustande.

Tschechien Rumburk Krankenhaus Hauptgebäude web Bildrechte Steffen Neumann

Noch sind aber entscheidende Fragen ungeklärt, weshalb die ersten tschechischen Patienten in Sebnitz wohl noch auf sich warten lassen werden. Eine deutsch-tschechische Kommission soll ein Konzept zur praktischen Umsetzung der Vereinbarung erarbeiten und damit auch die finanzielle Ausgestaltung klären. Entscheidender Punkt sind die höheren Krankenhauskosten in Deutschland. Die tschechischen Krankenkassen zahlen bisher nur den in Tschechien üblichen Satz, den Rest müssen die Patienten selbst übernehmen. Das tschechische Gesundheitsministerium unterstützt bisher lediglich vereinzelt praktische Ärzte sowie Zahnärzte in Regionen mit eingeschränktem Zugang zur Gesundheitspflege.

Dass die Gesundheitsversorgung im Schluckenauer Zipfel unbefriedigend ist, ist nicht neu. Insgesamt leben hier rund 50000 Menschen. Viele von ihnen fahren schon heute wegen der schlechten Abdeckung in Krankenhäuser oder Praxen in Tetschen, Aussig (Ústí nad Labem), Reichenberg (Liberec) oder sogar gleich nach Prag. Im Schluckenauer Zipfel ist nicht nur die Klinik in Rumburg ein Problemfall. Eine ähnliche Einrichtung in Warnsdorf (Varnsdorf) deckt nur begrenzte Leistungen ab. Die Zahl der niedergelassenen Ärzte sinkt ebenfalls und nicht wenige der noch praktizierenden Mediziner haben das Rentenalter bereits überschritten, können aber keinen Nachfolger finden.

Mit der Einigung würde sich der Weg zum Arzt für viele Tschechen spürbar verkürzen. Obwohl beide Minister betonten, dass es sich zunächst um eine Einzelfalllösung handele und die Grundversorgung der Patienten prinzipiell in den jeweiligen Heimatstaaten erfolgen solle, sind mit Ebersbach, Pirna und sogar Bautzen bereits weitere Einrichtungen in der Region im Gespräch. Zusätzliche Patienten aus Tschechien helfen zugleich den Kliniken in Sachsen, ihre Auslastung und damit Daseinsberechtigung zu verbessern.

Gleichzeitig betont die tschechische Seite, an der Klinik in Rumburg festhalten zu wollen. Um die Übernahme der Klinik, die trotz Insolvenz voll weiterarbeitet, wird schon seit Monaten gerungen. Ziel ist, das Krankenhaus in den Klinikverbund des Bezirkes Aussig (Ústí) einzugliedern.


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