Deutsch wird in Tschechien immer noch als Fremdsprache unterrichtet und nicht als die Sprache der deutschen Minderheit. Der regelmäßige Bericht zur Umsetzung der EU-Charta für Minderheiten- und Regionalsprachen sieht hinsichtlich Deutsch in Tschechien kaum Fortschritte und viel Stagnation.

Nationale Minderheiten müssen in Tschechien geschützt sein, auch ihre Sprache. Und das in den Bereichen Bildung, Recht, Administration, Öffentlichkeit, Medien, Kultur, Wirtschaft und Sozialleben, sowie im grenzüberschreitenden Austausch. Dazu hat sich das Land 2007 im Sinne der EU-Charta für Minderheiten- und Regionalsprachen verpflichtet. Dazu zählen im tschechischen Fall die Sprachen Deutsch, Mährisch-Kroatisch, Polnisch, Romani und Slowakisch. Im September 2018 fand der letzte Besuch der Expertenkommission zur Überprüfung der aktuellen Lage statt.

Für die Überprüfungen wurden verschiedene Kategorien zusammengestellt. Dazu gehören die Wahrnehmung der Minderheitensprache als Kulturgut, Maßnahmen zur Unterstützung der Sprache in verschiedenen Bereichen, wie an Universitäten, im Sport oder im Austausch mit anderen Kulturen und Sprachen. Die Kommission befragte im Rahmen ihres Besuchs auch Vertreter der Minderheiten nach ihren Erfahrungen.

In Bezug auf Deutsch spricht die Experten-Kommission nach Abschluss der Untersuchung von einer komplexen Situation. Das Verhältnis zwischen Tschechen und der deutschsprachigen Minderheit sei wegen der Vergangenheit kompliziert. Dabei fiel den Experten der Charta auf, dass Deutsch in Schulen nicht als Minderheitensprache, sondern als Fremdsprache unterrichtet wird. Das soll in Zukunft geändert werden. Außerdem forderte die Kommission, dass Deutsch in der Öffentlichkeit eine größere Stellung bekommt, wie in Rundfunk-Produktionen oder der Bildung. Diese Punkte wurden aber auch schon beim letzten Besuch aus Straßburg kritisiert – damals war die Kommission in Havířov und Prag zu Gast. Insgesamt soll Tschechien eine Atmosphäre der Toleranz, des Verständnisses und Respekts gegenüber der deutschen Sprache schaffen.

Neben den Empfehlungen für die Zukunft, fiel der Kommission aber auch eine positive Entwicklung auf. Politische Maßnahmen und Rechtsvorschriften liegen zumindest teilweise auf Deutsch vor. Teilweise existieren sie aber auch nur theoretisch und sind noch nicht umgesetzt. Auch hieran soll die Tschechische Republik in Zukunft arbeiten, denn die theoretischen Maßnahmen und die Gesetzgebung entsprechen im vollsten Sinne den Vorgaben der Charta. Zu keiner einzigen ihrer Kategorien hat die Charta eine Nichteinhaltung feststellen können.

Gerade für Romani und Mährisch-Kroatisch fällt nur knapp die Hälfte der Kategorien unter „erfüllt“, knapp die andere Hälfte wird „teilweise erfüllt“. Bei einigen Aspekten, wie Maßnahmen, die es Erwachsenen erlauben Romani und Mährisch-Kroatisch komplett neu zu lernen oder Entwicklungen, die sich für eine Toleranz gegenüber den Minderheitensprachen einsetzen, gab die EU-Kommission an, keine Angaben machen zu können. Polnisch und Slowakisch kommen hingegen in dem Bericht gut weg, allerdings soll auch hier der Staat die Sprachen in Regionen, in denen eine polnisch- und slowakischsprachige Minderheit lebt, in ihrer Verbreitung unterstützen.

Detaillierte Angaben zu dem Stand von Deutsch und den weiteren Minderheitensprachen in Tschechien finden Sie auf Englisch auf der Website der Minderheitensprachenkommission.


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