Anfang September kam in der Wissenschaftlichen Bibliothek zu Olmütz ein besonderes Geschenk an: Ein Sattelschlepper brachte über zweieinhalb Tonnen Bücher aus der bayrischen Stadt Bamberg. Dabei handelte es sich überwiegend um sogenannte Bohemika und Sudetika, also Bücher, die mit den böhmischen Ländern oder mit den ehemaligen Sudetengebieten verbunden sind. Gespendet hat sie Franz Kubin aus Bamberg, der ursprünglich aus der Region stammt.

„Solch eine große Spende hat unsere Bibliothek, soweit ich mich erinnern kann, noch nie erhalten. Es ist wirklich einzigartig“, sagt Kateřina Adamová, die in der Bibliothek für Zuwachs zuständig ist, zu der Spende. Unter den etwa 3.000 Büchern befinden sich Werke deutschmährischer Autoren, sogenannte Heimatbücher oder auch Jahrbücher der Vertriebenen, die zeigen, wie es ihnen in Deutschland erging und wie sich das Leben dieser Gemeinschaft weiterentwickelt hat.

Ein Sattelschlepper brachte 3000 Bücher von Bamberg nach Olmütz. Foto: Michal Urban

Ein Sattelschlepper brachte 3000 Bücher von Bamberg nach Olmütz. Foto: Michal Urban

„Bücher erzählen Geschichte der Orte“

Der großzügige Spender heißt Franz Kubin. Die Familie des 83-Jährigen stammt aus dem kleinen Dörfchen Konitz (Konice), das ein Teil der einst kleinsten Sprachinsel Deutsch-Brodek-Wachtel war, die oft zum Schönhengstgau gezählt wird. Herr Kubin engagierte sich jahrzehntelang in der Ackermann-Gemeinde, vermittelte Vorträge und organisierte Reisen in die alte Heimat, die er selbst mit neun Jahren verlassen musste. Und auch bei diesen Besuchen suchte er immer wieder nach Büchern, die das Wissen über die alte Heimat beinhalten: „Für mich sind diese Bücher ein Teil meiner Familiengeschichte, denn als wir weg mussten, hatten wir ja nur das Gebetsbuch, so ein Bastelbuch und mein Vater hatte seine Färbereibücher, aber sonst gab’s ja keinen Platz für so etwas. Es ist vielleicht ein bisschen sentimental von mir, aber ich finde es richtig, dass die Bücher jetzt wieder nach Mähren kommen, dorthin, wo sie den Menschen noch etwas zu sagen haben, denn in ihnen ist die Geschichte der Orte. Außerdem bin ich ja auch ein Mährer und somit schließt sich ein bisschen der Kreis.“

Die Spende umfasst Werke deutschmährischer Autoren aber auch Heimatzeitungen. Foto: Michal Urban

Die Spende umfasst Werke deutschmährischer Autoren aber auch Heimatzeitungen. Foto: Michal Urban

Wichtiger Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte

Nun werden die Bücher von den Bibliothekaren Stück für Stück in die Hand genommen, katalogisiert und mit einem Stempel versehen, der an den Spender verweist. „Wann die Leser diese Bücher in die Hand bekommen, lässt sich jetzt gar nicht sagen. Es sind immerhin über hundert Bananenkisten. Etliche Monate wird es auf jeden Fall dauern, bis wir alles verarbeitet haben“, sagt Adamová von der Olmützer Wissenschaftlichen Bibliothek.

Die Wissenschaftliche Bibliothek in Olmütz orientiert sich langfristig an der mährischen Geschichte. So gab sie zum Beispiel im letzten Jahr das Buch „Na Jeseníky!“ („Auf ins Altvatergebirge!“) heraus, das sich der Tourismusgeschichte im Altvatergebirge widmet. Die umfangreiche Spende Franz Kubins ist also eine willkommene Bereicherung der Bestände und ein wichtiger Beitrag zur Geschichtsaufarbeitung, denn es ist auch ein Zeichen der Versöhnung. Die Geschichte kann man nicht ändern, aber davon, wie man sie beschreibt, hängt die Zukunft ab.