Dank der Zuwendung seitens des BMI und der Gemeinde Netschetin (Nečtiny) konnte auch im Jahre 2020 zwischen dem 14. und 16. August das besonders bei den Kindern beliebte Projekt durchgeführt werden: die 27. Jugendbegegnung am früheren Klosterfriedhof des Stiftes Tepl (Teplá) bei Marienbad (Mariánské Lázně). Die Corona-Krise stellte auch diese Begegnung vor besondere Herausforderungen und forderte die Egerländer Hartnäckigkeit und Ausdauer.

Weil der ursprüngliche Termin im Mai wegen Corona nicht wahrgenommen werden konnte, rief ich als Vorsitzender vom „Bund der Deutschen in Böhmen“ Mitglieder und Freunde am dritten Wochenende im August zusammen. Schon eine Woche vor dem Termin besuchte ich bei den Planungsgesprächen in Tepl den Friedhof: bis zu zwei Meter hohes Gras und Gestrüpp. Rekordhalter war eine drei Meter hohe Distel. „Das kriegen wir mit unseren einfachen Werkzeugen nicht hin…“, dachte ich, als ich zum Tepler Rathaus fuhr. Weil die Zusammenarbeit zwischen dem Verein der deutschen Minderheit aus Netschetin und der Stadt Tepl sehr gut ist, konnten wir auch diesmal mit der Unterstützung seitens der Stadt rechnen. Neben der Unterstützung mit Werkzeug und Schubkarren mähte die Stadt fast zwei Drittel der Fläche selbst.Der Tepler Bürgermeister Karel Hermann und Richard Šulko (v.l.). Foto: Richard Šulko

Der Tepler Bürgermeister Karel Hermann und Richard Šulko (v.l.). Foto: Richard Šulko

Mit dem Kulturverband gemeinsam im Einsatz…

Nachdem Wilhelm Simeon aus Eger, der ehrenamtlich für den Kulturverband arbeitet, Interesse am Erlernen der Egerländer Tänze, etwa in der Volkstanzgruppe „Die Målas“ aus Netschetin, bekundet hatte, lud ich ihn nach Tepl ein, um die Mitglieder kennenzulernen.

Im Vordergrund: Wilhelm Simeon vom Kulturverband. Foto: Richard Šulko

Im Vordergrund: Wilhelm Simeon vom Kulturverband. Foto: Richard Šulko

Es war eine bunte Mischung an Besuchern: Mit 80 Jahren war Frau Elfriede Šulková die älteste „Arbeitskraft“ und Anna Jindřichová mit neun Jahren die jüngste Teilnehmerin. Schon beim ersten Eintauchen in die Grashalme mit der Motorsense wurde die Befürchtung bestätigt: Das wird eine Schinderei! Das lange Gras wickelte sich um den Mähkopf und die Maschine blieb stehen. Auch der Rechen ging schwierig: Das gemähte Gras aus den stehenden etwa 20 cm hohen Halmresten herauszurechnen, ist ein harter Kampf mit der Natur. „Das kriegen wir heuer nicht hin“, bemerkte Irena Šulková bei der Besichtigung der riesigen Fläche.

Oma und Enkel rechen gemeinsam das Heu. Foto: Richard Šulko

Oma und Enkel rechen gemeinsam das Heu. Foto: Richard Šulko

Wenn Freunde anpacken…

Dank eines Beitrags auf Facebook, der über die Arbeit am Friedhof informierte, meldete sich der Tepler Herr Ludvík Poláček, der sich auch um deutsche Denkmäler um Tepl herum kümmert und packte mit an. Mit drei Motorsensen und fleißigen 13 Paar Händen ging die Arbeit schnell voran. Am Samstagabend um 18 Uhr war der Friedhof komplett gemäht und das Gras entsorgt! Eine Leistung, die eine hohe Anerkennung verdient. Auch Besucher der Facebook-Seite honorierten die Arbeit. Gerhard Hermann schreibt: „Ich kann nur den Hut ziehen“. Ebenso Peter Brezina: „Hut ab!!!“ Dietmar Richter meint: „Das war aber eine riesige Arbeit. Erinnerungskultur pur“. Hans-Jürgen Nedbal freut sich: „Schön, dass auch junge Leute dabei sind. Toll“. Mehr braucht man dazu nicht sagen, hoffentlich erholen sich unsere Körper so schnell, wie möglich!

Eine schöne Begegnung: viele Kinder und Jugendliche, die von den Älteren lernen konnten und dabei der deutschen Vergangenheit begegneten!