Ab und zu treffe ich die anderen Minderheiten. Polen in Teschen (Těšín), Romas im Kulturministerium oder Vietnamesen im Thomas-Mann-Gymnasium. Wenn wir mit den Ämtern verhandeln, hören wir manchmal: „Sie machen das in ihrer Freizeit, aber der XY ist ein professioneller Slowake“. Er mache ein Business daraus, ein Slowake zu sein.

Ich kenne solche Leute auch. Anderswo haben die nicht den richtigen Job gefunden. Als Amtsträger des Vereines oder einer gemeinnützigen Gesellschaft sind sie nicht so einem hohen Arbeitsdruck ausgesetzt, oder haben eine Position erreicht, die sie bei einer ‚normalen‘ Karriere nie erreicht haben.

Es gibt aber Aufgaben, die man nicht einfach mal so nur am Wochenende durchführen kann. Ein Antrag für ein EU-Programm bedarf schon einer gewissen Professionalität. Verhandlungen über die Finanzierung der Kultur durch das Bezirksamt oder das Ministerium setzen Fachkenntnisse voraus. Sonst sitzt man dem Beamten als Dummkopf gegenüber.

Wir sollen nicht vergessen, dass unsere Tschechische Republik Hunderttausende „professionelle Tschechen“ hat. Oder üben etwas der Richter, der Finanzbeamte, der Polizist oder die Gemeindebuchhalterin ihre Arbeit erst in der Freizeit aus, nachdem sie sich ihr tägliches Brot irgendwo acht Stunden am Tag verdient haben?

Ich will damit sagen, dass auch die Minderheiten einen kleinsten Apparat von einigen wenigen Leuten vom Staat bezahlt bekommen sollten, wenn die Nationalitätenpolitik zukunftsorientiert ist. Wir sind sicherlich nicht in Frankreich. Dort kann man nämlich folgende Definition hören:

„Eine Nationalitätenpolitik ist Vorbereitung der nationalen Minderheiten darauf, dass sie eines Tages in der Mehrheit verschwinden.“

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