Aktuelle Seite: StartseiteForum Die vielen Talente des Ernst Mach

Die vielen Talente des Ernst Mach

Brückenbauer der Wissenschaft

„Die Wiener haben wie die Trottel gewählt. Überall haben die Pfaffen gegen die Sozialdemokraten gewonnen.“ Dem Nichtphysiker mag Ernst Mach vor allem durch diesen Ausspruch bekannt sein. Der Physiker denkt bei der Erwähnung des Namens wohl eher an die Mach-Zahl. Der Psychologe an die Machschen Streifen. Physiker, Forscher, Sozialdemokrat – wer war Ernst Mach? Eine kleine Retrospektive über Leben und Werk eines vielseitigen Wissenschaftlers.

 

 

Mach wurde 1838 im mährischen Chirlitz (Chrlice) geboren und gehörte der deutschsprachigen Minderheit in Mähren an. Als er zwei Jahre alt war, zog seine Familie nach Untersiebenbrunn in Niederösterreich, wo sein Vater fortan als Kleinbauer arbeitete. Einen großen Teil seiner Schulbildung vermittelten ihm seine Eltern, auch eine Tischlerlehre absolvierte Mach. Mit 18 Jahren kehrte er nach Mähren zurück, um in Kremsier (Kroměříž) die Matura abzulegen. Während des Physikstudiums in Wien begann er, sich auch für Physiologie zu interessieren, und veröffentlichte erste Artikel in diesem Fachgebiet. Nach einem kurzen Umweg über Graz ließ er sich schließlich 1867 in Prag nieder, um an der dortigen Karl-Ferdinand-Universität das Physikalische Institut zu leiten. In den 60er entbrannte dort ein politischer Streit um die Zukunft der Universität, die nach dem Willen der tschechischen Politik infolge der abnehmenden Zahl deutscher Studenten zweisprachig geführt werden sollte, was von der k.u.k.-Regierung jedoch abgelehnt wurde. Es folgte eine lange Auseinandersetzung zwischen deutschsprachigen und tschechischen Professoren, die schließlich in der Teilung der Universität 1882 mündete. In jener Zeit zeigte Ernst Mach jedoch seine liberale Geisteshaltung und hielt freundschaftliche Kontakte zu seinen tschechischen Kollegen.

Seine bis heute bekannteste wissenschaftliche Errungenschaft aus der Prager Zeit ist die Entwicklung der „Mach-Zahl“, die das Verhältnis zwischen der Geschwindigkeit eines Teilchens zur herrschenden Schallgeschwindigkeit beschreibt. Außerdem setzte er sich in dieser Zeit kritisch mit der Newton’schen Lehre der Mechanik auseinander, unter anderem widersprach er einer Allgemeingültigkeit des Trägheitsgesetzes. Für viele gilt er deshalb als einer der Wegbereiter der Relativitätstheorie von Albert Einstein.

Auch auf dem Gebiet der Philosophie und Psychologie machte Mach von sich reden. So ist heute vor allem der Begriff „Machsche Streifen“ bekannt. Betrachten wir eine in unterschiedlichen Graustufen gefärbte Fläche (wobei die Farbübergänge fließend sind), nehmen wir das Grau oft in Streifen wahr. Eine optische Täuschung, entstanden im Gehirn? Nein, Mach konnte nachweisen, dass Bilder nicht erst im Gehirn entstehen, sondern bereits durch die Sinnesorgane „vorbearbeitet“ werden. Eine damals revolutionäre Erkenntnis.

Ernst Mach baut die Brücke zwischen Wissenschaft und Philosophie, die für ihn keine Gegensätze sind. Wissenschaft sieht er als einen Teil der Evolution an, der dem Menschen dabei hilft, sich an seine Umwelt anzupassen. Dieser Ansatz, die Sphären Philosophie und Wissenschaft nicht mehr zu trennen, war zu Machs Zeit durchaus ungewöhnlich.

Durch sein Elternhaus war Mach liberal geprägt und wurde zu einem Unterstützer der Sozialdemokratie. Sein bekannter frustrierter Ausruf über das Wahlverhalten der Wiener stammt aus dem Jahr 1897. Vier Jahre später, 1901, schienen seine Mitbürger aus seiner Perspektive klüger abgestimmt zu haben: Mach wurde ins österreichische Parlament gewählt, wo er fortan als Reformer agierte und sich unter anderem für das allgemeine Wahlrecht einsetzte. Zu jenem Zeitpunkt war er bereits pensioniert, ein drei Jahre zuvor erlittener Schlaganfall machte das Arbeiten schwer. Dennoch veröffentlicht er noch zwei Aufsätze. 1916 starb Ernst Mach in Vaterstetten bei München. Posthum wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil, beispielsweise vergibt die Tschechische Akademie der Wissenschaften und Künste seit 18 Jahren für herausragende Leistungen in Physik die Ernst-Mach-Ehrenmedaille.

 


 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Aktuelle Artikel - Radio Prag

Zitat des Tages

August Wilhelm Ambros
August Wilhelm Ambros: „Die Melodie, selbst wenn sie einstimmig vorgetragen wird, vereinigt alle Elemente der Tonkunst; denn sie trägt neben rhythmischer Bewegung auch schon ihren Harmoniegehalt in sich.“
von zitate-online.de

Unsere Kooperationspartner

 

tschechien-online

prag-aktuell

Man spricht Deutsch

Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Verlag Host Brno

kidscompany

Manager des Jahres / Manažer roku

svaz prumyslu

Wetter

x



Das LandesEcho wird gefördert durch:
Institut für Auslandsbeziehungen (ifa)         ministerstvo-kultury-mini

Zum Anfang

Copyright © 2014 Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Alle Rechte vorbehalten.