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Europa verbunden – Jugend bewegt

Junger Hüpfer - Foto: Sommercamp

Vom 6. bis zum 19. Juli lief im polnischen Neu-Gersdorf (Nowy Gierałtów) das Sommercamp „Europa verbinden – Jugend bewegen“, das innovative Bildungsprojekt des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) und des Goethe-Instituts Krakau (LZ-Bilderstrecke: hier). Es fand dieses Jahr zum ersten Mal statt, soll aber demnächst nach dem großen Erfolg der Premiere in Serie gehen.

 

Als Teilnehmer waren fast 70 Jugendliche aus den deutschen Minderheiten in Tschechien, Polen, Rumänien, der Slowakei und der Ukraine angereist. Daneben waren auch Jugendliche aus Deutschland zu Gast. Damit lieferte das Projekt viele wichtige Impulse für die Jugendarbeit vor Ort wie auch für die grenzüberschreitende Vernetzung der Minderheiten-Verbände in den teilnehmenden Ländern. Als Schirmherr konnte Hartmut Koschyk, der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, gewonnen werden. Er übersandte den Teilnehmern zum Auftakt ein Grußwort und wünschte ihnen viel Spaß.

Den hatten sie auf jeden Fall, obwohl das Sommercamp kein Feriencamp im eigentlichen Sinne war. Faulenzen stand zumindest nicht auf dem Programm! Stattdessen gab es interaktive Sprachvermittlung und Förderung kommunikativer Deutschkenntnisse der Teilnehmer. Um das Hauptziel des Projekts, die Verbesserung der Sprachkompetenz, zu erreichen, war von Anfang an die Campsprache Deutsch. Fünf Projektarbeitsgruppen standen den Teilnehmern zur Wahl, die sich in interaktiven Unterrichtsformen mit minderheitenrelevanten Themen befassten und diese auf jugendgerechte Art und mit partizipativen Methoden bearbeiteten. Kurz gesagt: Es durfte und sollte mitgemacht werden. Zu den Themen der Gruppen erarbeiteten die Jugendlichen in zwei Wochen mediale Präsentationen, die am 18. Juli im Kulturzentrum in Stronie Śląskie vorgestellt wurden. Dazu wurden auch Vertreter der Partner-institutionen eingeladen. Die Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien wurde durch die 1. Vizepräsidentin Erika Vosáhlo vertreten.

Am 18. Juli ging auch Radio Gersdorf auf Sendung. Die Themengruppe „Klima im Wandel: Wege die Welt zu retten / Das Radio als Medium der Stimme“ hatte sich mit Ursachen und Folgen des Klimawandels befasst und dazu eine Radiosendung konzipiert, eingesprochen und geschnitten. Ihre Medienkompetenz erweiterte auch die Themengruppe „Region Glatzer Land – im Herzen Europas, am Schnittpunkt der Kulturen“. Die selbst erarbeiteten Erkenntnisse zur Geschichte des Gotteswinkels, wie das Glatzer Land auch genannt wird, dokumentierten die Teilnehmer unter der fachkundigen Anleitung eines professionellen Fotografen. In einem Foto-Workshop erlernten sie Grundlegendes zu Komposition, Licht und Bildbearbeitung. Das Ergebnis war eine kleine Ausstellung, die ebenfalls zur Abschlussveranstaltung gezeigt wurde. Außerdem hat die Gruppe in einem kleinen Film das Sommercamp dokumentiert. Zum Camp-Abschluss gab es dann die Premiere.

Viel mit Musik befasst hat sich die Themengruppe „Musik- und Reise-Welt“. Unter anderem haben die Jugendlichen hier selbst ein Musikvideo gedreht. Präsentiert werden darin Volkstänze und moderne Tänze sowie Gesang. Künstlerisch ging es auch in der Gruppe „Meine Heimat – gestern, heute, morgen“ zu. Die Teilnehmer hatten hier die Gelegenheit, einen besonderen Aspekt der regionalen Geschichte kennenzulernen. Der gebürtige Schlesier Wolgang Thust stellte ihnen die über 190-jährige und bewegte Geschichte seines steinverarbeitenden Familienbetriebs zwischen Niederschlesien, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt vor. So wurden die „goldenen Jahre“ Schlesiens für die Jugendlichen auf ganz persönlicher Ebene erlebbar. Gemeinsam mit Herrn Thust besuchte die Gruppe einen Steinbruch und erhielt Einblick in die Grundlagen des Abbaus und der Bearbeitung von Natursteinen. Die so erarbeiteten Inhalte wurden in einem Pantomime-Theaterstück interpretiert. Eine etwas andere Art von Theater entstand in der Gruppe „Interkulturalität und Kunst – Kunst verbindet Kulturen“. Hier wurde fleißig an einer Schattentheater-Aufführung geprobt. Daneben entstanden in kreativer Teamarbeit aber auch Gipsmasken und Gipshände, die mit ein wenig Farbe ihr zunächst etwas abschreckendes Weiß verloren.

Natürlich gab es neben der Projektgruppenarbeit auf dem Sommercamp noch viele weitere Aktivitäten zu erleben. Einer der Höhepunkte war ganz eindeutig der ganztägige Ausflug nach Breslau (Wrocław) am 13. Juli. Dort organisierte die Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft Breslau (DSKG) eine Stadtrallye, bei der die Teilnehmer Spuren der deutschen Vergangenheit der Stadt entdeckten. Weiter standen die Jahrhunderthalle, die Aula Leopoldina und das Panorama Racławicka auf dem Programm. Weitere Ausflüge führten die Sommercamper etwa nach Glatz (Kłodzko) oder Bad Kudowa (Kudowa Zdrój), Heuscheuer Gebirge (Góry Stołowe) und Bad Reinerz (Duszniki Zdrój). Viele erkundeten die Umgebung des Camper-Hauptquartiers auch zu Fuß – besonders Mutige und Ausdauernde erwanderten sich des Nachts in sieben Stunden den Schneeberg (Śnieżnik) und wurden mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang belohnt. Besichtigt wurden auch die berühmte Bärenhöhle (Jaskinia Niedźwiedzia) und die unterirdische Erlebnistrasse im ehemaligen Uran-Bergwerk in Kletno. Es gab Fahrradtouren und Reitunterricht, Tischtennis-Turniere und Schnitzeljagden. Auf Länderabenden präsentierten die Teilnehmer ihre fünf Herkunftsländer künstlerisch und kulinarisch: Da gab es dann Tanz- und Gesangsaufführungen, Rätselwettbewerbe und landestypische Leckereien und Spezialitäten. Auch die Jugendlichen aus Tschechien, die dank der logistischen und finanziellen Unterstützung der Landesversammlung an dem Sommercamp teilnehmen konnten, repräsentierten ihr Land mit viel Fantasie und Kreativität.

Ein fester Bestandteil der Abendgestaltung in der ersten Woche war natürlich auch das gemeinsame Mitfiebern und Mitfeiern bei den Spielen der Fußball-WM. Natürlich sorgte der Titelgewinn der deutschen Elf für größte Begeisterung! Aber auch deutsche Kinofilme standen hoch im Kurs. Gezeigt wurden beispielsweise „Fack Ju Göhte“ von Bora Dagtekin und in einem Filmmarathon die drei Til Schweiger-Kassenschlager „Keinohrhasen“, „Zweiohrküken“ und „Kokowääh“.

Den pädagogischen Erfolg des Camps werden die Teilnehmer erst in einigen Wochen oder Monaten an sich selbst erkennen können. Man kann aber jetzt schon sagen, dass die Jugendlichen sehr viel erlebt haben und viel Spaß hatten. Das Konzept ist voll aufgegangen und die Planungen für die nächste Ausgabe des Sommercamps können beginnen. Wo es das nächste Mal stattfinden soll, ist aber noch nicht ganz sicher. Derzeit stehen Tschechien und Rumänien ganz oben auf der Liste. Wo auch immer das nächste Sommercamp aber aufgeschlagen wird, die Premiere in Neu-Gehrsdorf wird dem Camper-Jahrgang 2014 sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Die Autorin ist ifa-Managerin in Ratibor.

Dieser Artikel erschien in der LandesZeitung 13/14 2014.

 


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