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Eine Morawitzer Geschichte

Wie die Bilder von Rudolf Raab nach Morawitz kamen.

 

In diesem Jahr flatterte eine Einladung in Rudolf Raabs Briefkasten in Winterhausen bei Würzburg. Der Bürgermeister von Morawitz (Moravice) Josef Dus lud den 83-jährigen Kunstmaler in seine ehemalige Heimatstadt ein. Also machte er sich auf den Weg von Unterfranken ins Altvatergebirge.

 

Rudolf Raab wurde 1929 in Niederwigstein (Podhradí) bei Troppau geboren. Er wuchs mit seiner Schwester im Waisenhaus in Wigstadtl (Vítkov) auf und wurde dann von einer Familie aus Morawitz adoptiert.

 

Nach der Vertreibung kam er mit seiner Familie über Furth im Wald nach Berchtesgaden und absolvierte bei dem kunstgewerblichen Maler Walter Schuhmann eine Lehre: „Ich bekam kein Geld, aber Essen und musste täglich vom Flüchtlingslager Anzenbach acht Kilometer nach Königsee laufen“, erinnert er sich.

 

Die Amerikaner hatten in dieser Zeit für die deutsche Jugend einen Wettbewerb ausgeschrieben, den er mit einer Zeichnung seiner Eltern in der Flüchtlingsbaracke gewann. Dieses 1,80 x 1,50 Meter große Bild „Barackenzimmer mit Eltern“ war dann Teil einer Wanderausstellung unter anderem in München, wo er als 15-Jähriger vom damaligen Münchner Oberbürgermeister Thomas Wimmer eine Ehrenurkunde erhielt. Was ihn noch heute mit 83 Jahren freut.

 

Es folgten Zeichnungen mit Titeln wie „Es geschah in Morawitz 1945“, „Vor den Toren Prags“, „Neue Heimat“ oder „Heimatlos“, in denen er das Schicksal der Vertriebenen festhielt. Einige dieser Bilder sind im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt ausgestellt.

 

Nach der „Samtenen Revolution“ traf er seinen ehemaligen Schulkollegen Paul Hosek wieder, der nach 1945 als Bäcker in Morawitz bleiben konnte. Ihm gab er einige Bilder mit, darunter ein Bild von Morawitz mit der kleinen Kapelle im Vordergrund, mit dem Feuerwehr-Spritzenhaus und der Kirche im Hintergrund. Und auch ein fast mannshohes Bild mit einer Kreuzigungsgruppe.

 

Detaillierte Erinnerungen

Das Bild der Kreuzigungsgruppe hat einen Ehrenplatz in der Kirche erhalten und das Ortsbild hängt heute im Rathaus, dem Arbeitsplatz von Bürgermeister Josef Dus, der den Morawitzer Künstler nun in seine einstige Heimatstadt eingeladen hat: „Die Abbildung unseres Dorfes ist sehr realistisch, auch für uns Moravicer, die wir täglich durchs Dorf gehen, ist es überraschend, wie detailliert Rudolf Raab arbeitet“, meint Bürgermeister Dus.

 

In seinem Einladungsbrief an Rudolf Raab hatte er geschrieben: „Mit Paul Hosek, der eine Reproduktion eines Bildes auf das Rathaus brachte, haben wir lange gesprochen, nicht nur von Ihnen, sondern auch über die Zeit, als Sie zusammen mit anderen unser Dorf verlassen mussten. Darum sind wir wirklich froh, dass Sie Moravice und seine Einwohner nicht vergessen haben und ihnen ein so schönes und dauerhaftes Geschenk gemacht haben“, so Dus.

 

Bei Raabs Besuch in Morawitz waren auch die Vertreter der Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien Günter Kořínek und Maria Rutzka dabei. Beim Besuch der Kirche, in der sein Bild hängt, war Rudolf Raab gerührt und glücklich.

 

„Es geschah in Morawitz 1945 und was sich da ereignete, war typisch für das Geschehen im Sudetenland, in Schlesien und den anderen Gebieten, aus denen die Deutschen vertrieben wurden“, sagt Raab rückblickend. „Wir waren vogelfrei, mussten das ‚N‘ tragen, auf Tschechisch ‚Němec‘ (‚Deutscher‘). Deshalb zeichnete ich diese Motive.“ Der Besuch in seiner alten Heimat stand unter Rudolf Raabs persönlichem Motto „Nicht vergessen, aber verzeihen und versöhnen“.

 

Der Autor lebt in Unterfranken und begleitete den Künstler nach Morawitz.

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