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Hamburger Pflasterung aus Ostböhmen

Wie viel Arbeit in einem Bordstein steckt, erleben Schüler im ostböhmischen Skutsch (Skuteč) hautnah. Die Region versorgte früher auch deutsche Städte mit Pflasterungen.

 

Hammerschläge werden abgelöst von einem leisen Zischen, wenn der Schmied das heiße Eisen im Wasser abkühlt. Der Schmied ist im Tagebau nicht nur dafür zuständig, Werkzeug für die Bergleute herzustellen oder zu reparieren. „Unter seiner Werkstatt befand sich auch ein Keller, wo Bier gelagert wurde. Und der Schmied hat es an die Arbeiter ausgegeben“, erzählt der Leiter des Städtischen Museums im ostböhmischen Skutsch Libor Aksler, der eine Gruppe von Schülern durch den Museumstagebau führt. „Und auch als Betriebsarzt war er tätig“, lächelt er, während er die große Zange in seine Hände nimmt. Der Schmied fragt: „Tun jemandem die Zähne weh?“ Keiner der Schüler antwortet.

 

Die Zange will keiner der Schüler ausprobieren. Bei dem Kabelkran ist das schon ein bisschen anders. Da lassen sich zwei Mädchen vom Kranführer überreden, die Hebel zu betätigen und einen Stein über den ganzen Tagebau zu befördern. „Das ist ja anstrengend“, klagt Karolína aus der neunten Klasse. „Anstrengend? Und hier sind es nur ein paar Meter, da wir hier alles in klein haben. Im Vergleich zu den wirklichen Tagebauten, die hier in der Umgebung sind“, sagt Libor Aksler. Karolína nickt. Sie hat schon reale Tagebauten gesehen. Es gibt sie fast in jedem Dorf um Skutsch. „Und jetzt schau dir den Stein noch mal an, den du befördert hast“, zeigt Aksler der Schülerin die Last, die sie bewegen musste. „Es ist nur aus Styropor“, kann sie nicht glauben, wie schwer es war.

 

Ein leerer Hunt, ein offener, kastenförmiger Förderwagen, steht unter einem kleinen Berg. Keiner der Jungs will ihn mit den Hebeln, die oben angebracht sind, hinaufschieben. Bis sich einer endlich wagt. „Es hat mich überrascht, dass ich das nicht mit meinen Muskeln ziehen musste, sondern dass es einen elektrischen Antrieb gibt“, sagt Lukáš Hanus.

 

Die interaktive Dauerausstellung zeigt den Schülern, womit sich die Leute in der Region um Skutsch ihren Lebensunterhalt verdient haben. Das zweitwichtigste Handwerk war hier die Schuhmacherei.

 

Metropole der Pflastersteine

Beides, Tagebau und Schustern, können die Kinder – und auch die Erwachsenen – im Museum selbst ausprobieren. Der interaktive Tagebau lockt mehr Interessierte als die Schuhmacherwerkstatt an, aber in einem echten Tagebau arbeiten, das möchten die Schüler nicht. „Also früher, als alles von Hand betrieben war, war das noch schwieriger, aber auch heute muss das eine anstrengende Arbeit sein“, fasst Lukáš aus der neunten Klasse die Erfahrungen aus dem Museum zusammen.

 

Die Umgebung von Skutsch ist reich an Granit. „Das haben wir in Naturkunde gelernt, als wir die Mineralstoffe als Thema hatten“, sagt die Lehrerein aus der Grundschule in Skutsch Michaela Bohatá. „Hier haben die Kinder nun auch erfahren, wie es mit der sozialen Lage der Bergleute war“, lobt sie, dass die Schüler die Zusammenhänge kennengelernt haben. Und sie erfahren auch, dass Skutsch eine Metropole der Wegpflasterung war. „Ein Arbeiter schaffte es während eines Tages, ungefähr 3 000 Pflastersteine zu bearbeiten. Und die Steine findet man bis heute noch in den Straßen vieler europäischer Städte“, erzählt Libor Aksler. Die Skutscher Steine wurden in der Goldenen Ära Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er nach Beograd, Lemberg und sogar bis nach Hamburg exportiert. „Zu den regelmäßigen Abnehmern zählten natürlich die inländischen Städte in der Monarchie wie Prag, Olmütz, Brünn, Wien und Krakau“, berichtet Aksler. Die europäischen Städte konnten natürlich Granit aus ihren Ländern benutzen, aber sie schätzten die Arbeit der Skutscher Steinmetzen. „Man hat es schon im Auge. Ich nehme kein Maß, aber ich mache alle Steine gleich groß. Die Toleranz beträgt so ungefähr zwei Zentimeter“, sagt der Steinmetz Pavel Novák ganz selbstverständlich.

 

Der Autor ist Redakteur für den Tschechischen Rundfunk in Hradec Králové.

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