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Geschichte ein Gesicht geben

Foto: Oral history Workshop - Bild: Landesversammlung/srö

Wie findet man in seiner Umgebung Zeugnisse der Geschichte und wie sucht man nach ihren Details? Diese Fragen standen im Fokus des Workshops „Oral history“, den die Landesversammlung vom 6. bis 9. November in Trautenau (Trutnov) in Zusammenarbeit mit der Jugendorganisation Jukon, dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) und dem Trautenauer Begegnungszentrum veranstaltete.

 

 

 

Unter der Leitung von Lucie Kavanová, Redakteurin des Magazins Respekt, lernten sechs Schüler des Trautenauer und Hohenelber (Vrchlabí) Gymnasiums zunächst die Grundlagen der „Oral history“-Methode und der Instrumente, die man für die Suche nach den interessantesten Gesprächspartnern und Themen benötigt.

Im zehnstündigen Samstagsblock bekamen die Jugendlichen dann einen Einblick in die Vorbereitung der Recherche, das Strukturieren eines Interviews und die Formulierung einzelner Fragen. Danach konnten sie das Erlernte untereinander ausprobieren. Auch eine Einheit zur Funktionsweise menschlicher Erinnerungen und der damit verbundenen Herausforderungen im Gespräch mit Zeitzeugen gehörte zum Programm. Praktische Beispiele boten Inspiration für die weitere Arbeit mit dem gesammelten Material – sei es in Form eines gedruckten oder gefilmten Gesprächs, einer fotografischen Slideshow oder eines Doku-Comics.

Der Höhepunkt des Seminars war dann die Möglichkeit, das erworbene theoretische Wissen anhand eines Gesprächs mit einer Zeitzeugin auszuprobieren. Für den Sonntagvormittag konnte die 75-jährige Trautenauerin Renata Hammová als Gast gewonnen werden. Die Schüler hatten viele Fragen an die ehemalige Buchhalterin und sehr aktive Dame, die beispielsweise auch heute noch Kinderschwimmkurse leitet, vorbereitet.

Die Jugendlichen interessierten sich für ihre Kindheit, ihre persönlichen Erinnerungen an die Vertreibung und an die Veränderung der Stadt danach, für die spezifische Stellung der deutschen Minderheit während des Kommunismus und für ihre aktuelle Situation in der Region. Renata Hammová, die sich aktiv an der Gemeinschaftsarbeit beteiligt und auch am deutsch-tschechischen Stammtisch in Jungbuch (Mladé Buky) teilnimmt, beantwortete wohlwollend und geduldig alle Fragen.

Das Persönliche wirkt nach

Sie begeisterte die Teilnehmer des Seminars, die alle die Deutsche Sprache erlernen, zudem mit einer Live-Darbietung des Riesengebirger Dialekts.

„Die Vertreibung und das Zusammenleben mit den Deutschen sind hier in der Trautenauer Gegend sehr lebendige Themen, über die wir beispielsweise in der Schule viel reden“, kommentierte den Workshop der fünfzehnjährige Jonáš aus Hohenelbe. „Mit dem starken Eindruck, den es hinterlässt, wenn man jemandem gegenübersitzt, der das alles durchlebt hat und mit dem man die Möglichkeit hat darüber zu sprechen, können all die Zahlen und anonymen Fakten aber nicht mithalten.“

Das gesamte Wochenende verlief in einer sehr netten Atmosphäre, gestützt durch die angenehmen Räumlichkeiten des Zentrums „Karolínka“, das als Austragungsort diente, und vor allem durch die Begeisterung der Schüler, die sich entschlossen hatten, statt eines freien Wochenendes doch lieber die Schulbank zu drücken. Die perfekte Organisation vor Ort übernahm die Leiterin des Begegnungszentrums in Trautenau, Lenka Buková Vízková.

Mit dem sonntäglichen Abschieds-Mittagessen endete der Workshop aber noch nicht. Die Schüler arbeiteten danach an ihren eigenen Beiträgen, bei denen sie die „Oral history“-Methode ausprobierten. Die besten Beiträge werden auch auf den Webseiten des LandesEcho und der Landesversammlung veröffentlicht. Den Sieberbeitrag finden Sie auch im ersten LandesEcho 2016.

Ein Video des Interviews mit Renata Hammová gibt es schon jetzt (auf Tschechisch, deutsche Untertitel vorhanden):

 

Dieser Artikel erschien im LandesEcho 11/2015.


 

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